Zivilcourage bei Bauerntagen

Über "Zivilcourage - eine christliche Tugend" sprachen der Pfarrer von Arigona, die Begründer der IG-Milch und Abt Haidinger vom Stift Altenburg als Referenten bei den Bauerntagen der Katholischen Männerbewegung am Aschermittwoch in Zwettl und Ende Jänner in Seitenstetten.

"Man braucht einen festen Stand um aufrecht stehen bleiben zu können, wenn einem der Wind der Anfeindung ins Gesicht bläst", sagte Dechant Josef Friedl, Pfarrer von Ungenach, der durch den "Fall Arigona" bekannt geworden ist. Am Mostviertler Bauerntag der Katholischen Männerbewegung im Stift Seitenstetten bedauerte Friedl, der sich seit Jahren für Flüchtlinge einsetzt, "dass Zivilcourage und Meinungsfreiheit in einer freien Gesellschaft nicht selbstverständlich sind. Die Gesellschaft hat eine Gleichgültigkeit und eine Angst, dass ihnen etwas weggenommen wird, die mich erschreckt." Wer gegen Ungerechtigkeiten kämpfen wolle, brauche neben Zivilcourage auch Sachkompetenz, Ich-Stärke und Verantwortungsbereitschaft: "Man muss Angst aushalten und braucht die Fähigkeit verlieren zu können", so Friedl.

Der Kirche komme heute auch bei Bewahrung der Schöpfung eine wichtige Aufgabe zu, betonten die Referenten Andrea und Ernst Halbmayr aus St. Johann/Engstetten, die Begründer der IG-Milch. Die Schöpfung werde bedroht durch ausbeuterische Bewirtschaftung, durch industrielle Landwirtschaft anstelle bäuerlicher Betriebe, führte das Ehepaar aus. Eine aktuelle Bedrohung stelle die Gen-Manipulation bei Saatgut dar. "Trotz aller Anfeindungen hat es sich gelohnt, Zivilcourage für die Bauern zu zeigen", betonte Ernst Halbmayr. Andrea Halbmayr freute es besonders, "dass wir für unser Projekt ‚Faire Milch’, deren Markenzeichen die rot-weiß-rote Kuh ist, die höchste Werbeauszeichnung bekommen haben."

 

Abt Haidinger begrüßt neuen Pastoralplan

"Es ist wichtig, die Zeichen der Zeit zu erkennen, aber nicht dem Zeitgeist zu erliegen", sagte der Abt des Stiftes Altenburg, Mag. Christian Haidinger, beim Waldviertler Bauerntag am Aschermittwoch im Stift Zwettl. "Wir können nicht mit früheren Worten heute das Evangelium erklären", erklärte Haidinger und begrüßte in diesem Zusammenhang die Erstellung des neuen Pastoralplanes für die Diözese St. Pölten. "Es gibt sicher viele Widerstände, aber ohne neue Wege geht es nicht."
Im Zusammenhang mit dem aktuellen Priestermangel verwies der Abt auf Entwicklungsländer, wo von einem Priester sehr große Gebiete mit vielen Gläubigen betreut würden. In der Diözese St. Pölten hingegen gebe es viele kleine Pfarren mit nur 200 bis 800 Gläubigen. "Hier wird es in Zukunft ohne übergreifende Zusammenarbeit nicht gehen", betonte Haidinger und wies darauf hin, dass Änderungen und Anpassungen rasch geschehen müssten: "Wir dürfen nicht die Asche hüten, sondern das Feuer weitergeben."

 

Foto: Andrea und Ernst Halbmayr