Zeit zum Atemholen

Mit dem Mythos "Zeit ist Geld" räumte der Linzer Theologe und Künstlerseelsorger Prof. Peter Paul Kaspar bei einer Veranstaltung des kath. Bildungswerkes in der Landeslandwirtschaftskammer St. Pölten gründlich auf. Zum Thema " Zu viel, zu schnell und alles zugleich" stellte er fest, dass Zeit zum Atemholen für den Menschen heute wieder dringend notwendig sei. Zeit sei nicht zu haben und nicht zu kaufen, sagte Kaspar. Man müsse sie vielmehr zulassen, sie sei gegeben. Im Umgang mit der Zeit sprach sich der Seelsorger für "mehr Gelassenheit" aus. Das bedeute, angesichts unserer Sterblichkeit dennoch "heiter, lustvoll und liebevoll" zu leben. Scharf wandte er sich gegen jene "Irrlehren unserer Zeit" wie "Zeit ist Geld", "Müßiggang ist aller Laster Anfang", "ich will alles und sofort", die glauben machen wollen, dass Arbeit das einzig Bestimmende des Daseins sei. Nicht Zweckhaftigkeit, sondern Sinnhaftigkeit soll das Leben bestimmen, rief er auf.
Durch stetes Beschleunigen der Lebensabläufe glauben viele Menschen, Zeit zu gewinnen. Doch das Gegenteil sei der Fall. Auch wenn die Freizeit größer geworden ist, haben die Menschen nicht mehr an Zeit gewonnen, sondern sind noch stärker unter Druck geraten.
Kaspar rief auf, wieder den natürlichen Rhythmus im Leben zu finden und auf die Rhythmen des Atmens, der Aufmerksamkeitsphasen, der Tage und Wochen zu achten. "Der Mensch braucht das pulsierende Leben, die Abwechslung von Ruhe und Tätigkeit", sagte er. Es sei gerade der arbeitsfreie Sonntag, der diesen Rhythmus mit trägt und der ein "freier Tag für möglichst alle" sein soll, sich im Familien- und Freundeskreis zu treffen. Es brauche heute mehr denn je diese Feiertagskultur gegen die Zwänge des Alltags.

Direkt gesagt

Einen pointierten Einstig zum Thema führte das "Theater direkt" den 130 Anwesenden vor Augen. Hektisch war bereits ihre Ankunft, pointiert und gekonnt zeigten die jugendlichen Darsteller unter Theaterpädagogen Thomas Koller Szenen aus dem Alltag auf. Menschen haben keine Zeit, ohne es zu merken, da ihre Werteskala versetzt ist.
Nebensächlichkeiten wie Hobbys und Freizeit werden wichtig, andere Menschen werden übersehen. Hektik, Überlastung, Resignation bis zum Burn-out sind die Folgen.

Umgang mit Zeit
In sechs spezifischen Workshops befassten sich die TeilnehmerInnen mit Fragen des richtigen und geplanten Umgangs mit der Zeit, über das Burn-Out-Syndrom, seine Diagnostik und professionelle Behandlung, oder mit der mehrfachen Belastung und Herausforderung für die Frau in Familie und Beruf.

Mitveranstalter waren Rat und Hilfe, das Referat Familienpastoral, Rainbows und der Kath. Familienverband der Diözese