Zeigen, was in Wahrheit der Liebe wert ist

Mit einer Feier im Festsaal der Schulen der Englischen Fräulein (Congregatio Jesu) in St. Pölten feierten die Schulgemeinschaft der Englischen Fräulein sowie die Vereinigung von Ordensschulen Österreichs am Mittwoch, den 17. Jänner das 300-jährige Bestehen dieser Einrichtung. Am 15. Jänner 1707 haben die Ordensfrauen der Englischen Fräulein, die 1706 auf Wunsch des Passauer Bischofs nach St. Pölten geschickt worden waren, mit in der Schule begonnen. Es war eine kostenlose Tagschule für Bürgermädchen, die in zwei Klassen unterrichtet wurden.

Über die Entwicklung und dieser Schulen, das Leben der Gründerin des Ordens Mary Ward und ihr pädagogisches Grundhaltung wies OStR Mag. Sr. Ingeborg Kapaun in ihrem Festvortrag hin. Ihre Grundeinstellung sei in dem Motto "zeigen, was in Wahrheit der Liebe wert ist" ausgedrückt, sagte sie und stellte in ihren Ausführungen vor allem die vier Grundprinzipien Mary Wards dar. Diese wollte eine für alle zugängliche Bildung, und zwar die bestmögliche, wobei nicht nur Wissensvermittlung im Mittelpunkt stand, sondern der Blick auf den ganzen Menschen gerichtet sei, und diese Bildung sei nur durch Vorleben und die Haltung der Lehrerinnen zu vermitteln. "Charakterbildung und Herzensbildung sollen den Menschen helfen, ihre Verantwortung in Gesellschaft und Welt wahrzunehmen", sagte sie. Diese Grundprinzipien beinhalten eigentlich alles, was die schule auch heute brauche, ergänzte der neue amtsführende Präsident des Landesschulrates für Niederösterreich, HR Hermann Helm. "300 Jahre Englische Fräulein bedeuten auch 300 Jahre Dienst an der Gesellschaft", führte er aus und ergänzt: "unterricht ohne Werte stellt einen wertlosen Unterricht dar". Bürgermeister Matthias Stadler bescheinigt den Englischen Fräulein, dass sie der Stadt St. Pölten seit über 300 Jahren eine markante Bildungsmarke aufgeprägt haben und Landesrätin Joahnna Mikl-Leitner unterstrich, dass durch diese Schule Mädchen erstmals freien Zugang zur Bildung erhalten haben.

Bischof DDr. Klaus Küng wies in seinen Grußworten hin, dass Mary Ward ihrer zeit in vielen belangen voraus gewesen sei und dadzurch auch von virelen nicht verstanden wurde. Ihr sei es ein Anliegen gewesen, dass alle, arm und reich, Zugang zur bildung erhalten. Heute habe man alle Voraussetzungen dafür, die Bildung allen zu gewährleisten, aber es gebe andere Nöte, wies der Bischof hin. Es bestehe die Gefahr, dass die Menschen in die Sackgasse des Egoismus geraten. Denn wenn jeder alles haben möchte, entstehe Unzufriedenheit, wies der Bischof hin. "Wir brauchen Menschen, die ihr Leben und ihre Liebe in die Wagschale werfen, um Menschen zu helfen", sagte er.

Der Festakt fand unter Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste statt. Unter ihnen Bischof DDr. Klaus Küng, Landesrätin Mag. Johanna Mikl-Leitner, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, dem amtsführenden Präsidenten des NÖ Landesschulrates HR Hermann Helm, der Oberin des Institutes Congregatio Jesu Sr Agathe Rabl und der leiter der Vereinigung der Ordensschulen Österreichs, Rudolf Luftensteiner. Schülerinnen und Schüler der Volks- und Hauptschule sowie der Chor der Schülerinnen und Lehrerinnen des Gymnasiums untermalten die Veranstaltungen mit verschiedenen Darbietungen wie Lieder, Tanz und Theater.