Zehn Jahre Engagement für Arbeitsuchende

Das Netzwerk der Solidarität, eine Einrichtung von Diözese St. Pölten, Land Niederösterreich und dem Arbeitsmarktservice besteht seit zehn Jahren. 1258 Personen, vor allem Langzeitarbeitslose, haben in dieser Zeit über diese außergewöhnliche Einrichtung wieder einen Dauerarbeitspatz gefunden. Am Freitag, dem 16. Mai beging das Netzwerk der Solidarität sein zehnjähriges Jubiläum mit einem Festakt im Sommerrefektorium des Bistumsgebäudes. Der damalige Generalsekretär der katholischen Aktion und derzeitige Geschäftsführer der Sozialmarktes St. Pölten, Dr. Walter Feninger, erinnerte an die Anfänge dieser Einrichtung, die mit den Namen Liese Prokop, KAB-Sekretär Hans Hössinger und Prälat Florian Zimmel verbunden waren. Schon im Vorfeld ab es in der Diözese die Lehrlingsaktion, in deren Rahmen erstmals in einer Diözese Lehrlinge ausgebildet wurden; insgesamt wurden es dann 14 Lehrlinge.
Aber erst durch die gesicherte Finanzierung durch Diözese, Land und AMS sowie durch die Anstellung des Projektleiters Julius Felker konnte diese Einrichtung auf feste Beine gestellt werden. "Die Kirche muss dort aktiv werden, wo die Menschen die geringste Hilfe haben", erklärt Feninger das damalige diözesane Engagement. Mit Dr. Gerda Mayer kam eine ehrenamtliche Mitarbeiterin hinzu, die dann die Wege zur endgültigen Etablierung legte.
In den weiteren Jahren bildeten sich in zehn Orten Niederösterreichs sogenannte "Netzwerkgemeinden", in denen ehrenamtliche Aktivisten aus Kirche, Politik und Wirtschaft den Arbeitsuchenden mit Rat und Tat bis heute zur Seite stehen.
Im vergangenen Jahr wurde das Netzwerk um Christian Vollmann einen Mitarbeiter für Jugendliche erweitert. Er skizzierte seine Arbeit, die in Netzwerktreffen, Beratungsgesprächen und Begleitung bestehen. Von bisher 32 Jugendlichen konnte er 21 auf dem Arbeitsmarkt integrieren. Für sieben Jugendliche, deren Arbeitsplätze gefährdet waren, haben sechs ihre Stelle behalten.

Den Menschen helfen

Bischof Klaus Küng lobte die Arbeit des Netzwerkes und bedauerte, dass immer mehr Menschen in der zunehmenden Leistungsgesellschaft nicht mehr mithalten können und scheitern. "Hier ist es Aufgabe der Kirche, den Menschen beizustehen und vorbeugend zu helfen, sagte er mit Hinweis auf die Familienpastoral. Denn dort werde die Grundlage für die Persönlichkeitsentwicklung gelegt.
Der Präsident der Katholischen Aktion, Roman Fröhlich stellte fest. "Diese unorthodoxe Form einer Arbeitsvermittlung hat sich bewährt" und AMS-Geschäftsführer Karl Fakler meint: "Zum Netzwerk schicken wir jene, wo wir selbst nicht mehr weiter wissen. Das Netzwerk leistet tolle Arbeit." - und fasste zusammen "Toll, dass es das Netzwerk gibt, schade dass es notwendig ist".

Wichtige Einrichtung

Landtagsabgeordneter Dr. Martin Michalitsch bezeichnete das Netzwerk der Solidarität als eines der guten Früchte der Arbeit der ehemaligen Landesrätin Liese Prokop und meinte: Es ist gut, wenn Christen in dieser Welt spürbar werden und den Lauf der Welt mit beeinflussen". Wenn auch an der Marktwirtschaft kein Weg vorbeiführe, so müsse sie dennoch sozial und menschengerecht gestaltet werden.
Scharfe Kritik an den Auswirkungen der Marktwirtschaft übte der Vizepräsident der Arbeiterkammer, Peter Stattmann. Das Netzwerk wirke auf der Basis der Solidarität diesem Wirtschaftssystem entgegen. "Ohne das Netzwerk der Solidarität wäre die Welt noch kälter als sie schon ist", sagte er.
Aus eigener Erfahrung als Betriebsrat und Stadtrat St. Pöltens sowie als Aktivist des Netzwerkes meinte Martin Fuhs: "Das Netzwerk ist eines der wichtigsten Institutionen für viele Menschen und hilft unabhängig jeglicher politischen Farbe".

Ehrung für Dr. Gerda Mayer

Für ihr besonderes Engagement überreichte Bischof Klaus Küng an Gerda Mayer die goldene Ehrennadel der katholischen Arbeitnehmerbewegung. Mayer äußerte in ihren Dankesworten den Wunsch, dass das Netzwerk der Solidarität künftig auch öffentlich aktiv werde und Verletzungen der Menschenwürde sowie grobes Unrecht Arbeitsuchenden gegenüber öffentlich anprangere.

Neues Logo

Abschließend konnte Projektleiter Julius Felker das neue Logo und künftige grafische Erscheinungsbild des Netzwerkes der Solidarität sowie der Jugendberatung "Young Net" den Anwesenden vorstellen. Das Designe wurde von der Grafikerin Regine Haunschmidt entworfen.