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In Würde leben bis zuletzt

"Hospiz will, dass der Mensch an der Hand und nicht durch die Hand eines Menschen stirbt". So der Direktor der Caritas St. Pölten, Mag. Friedrich Schuhböck bei der Übergabe der Leitung des mobilen Hospizdienstes an DGKP Roman Knapp. Knapp folgt Johann Marsam nach, der bisher den Hospizdienst der Caritas leitete. "Unser Hospizdienst ist eine Gegenposition gegen jene, die das Leben in die Hand von Menschen geben wollen und nicht mehr als unantastbares Gut sehen", unterstrich der Caritasdirektor in seinen Ausführungen. In anderen Ländern gebe es bereits fatale Entwicklungen in den Bereichen der Euthanasie, wies er hin. "Wir wollen den Jahren mehr Leben geben und nicht dem Leben mehr Jahre", erläutert er das Grundanliegen.
In Österreich habe die Politik den Wert des Hospizdienstes erkannt und auch entsprechende Voraussetzungen geschaffen, lobte Schuhböck. Dennoch dürfe man nicht beim Erreichten stehen bleiben.
Als weitere Schritte, den Hospizdienst auf sichere Basis zu stellen, verlangte Schuhböck bei Inanspruchnahme der Familienhospizkarenz einen Rechtsanspruch auf finanzielle Absicherung. Denn viele würden aus finanziellen Gründen die Karenz nicht in Anspruch nehmen. Darüber hinaus verlangte Schuböck eine Österreichweite Anpassung in diesem Bereich statt jeweiliger Länderkompetenzen und eine Grundfinanzierung aus dem Gesundheitsbereich. Schon bisher sei man beim mobilen Hospizdienst, die grundsätzlich kostenlos sei, auf Spenden angewiesen. "Ein Sterben in Würde darf nicht am Geld scheitern", unterstrich der Caritasdirektor.

Für Menschen allen Alters

Den Hospizdienst der Caritas gibt es in St. Pölten Stadt und Land, sowie in den Gebieten Amstetten, Krems, Lilienfeld und Waidhofen/Ybbs. In 2408 Einsätzen mit insgesamt 4.154 Stunden konnten im vergangenen Jahr 244 Menschen im Alter von ein bis 102 Jahre auf dem Weg des Sterbens begleitet werden.
Die Ausbildung der meist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Sterbe- und Trauerbegleitung beinhaltet zehn Module und dauert etwa neun Monate. Neben psychosozialen Aspekten, Kenntnisse in der Palliativmedizin, Gesprächsverhalten und Ethik wird auf das Einfühlungsvermögen großer Wert gelegt, wies der langjährige Leiter Johann Marsam hin.

Immer mehr Menschen nehmen den Hospizdienst in Anspruch

"Viele Betroffene sagen heute, wie und wo sie die letzten Wochen ihres Lebens verbringen wollen, und das ist zu hause", ist seine Erfahrung, warum immer mehr Menschen den mobilen Hospizdienst in Anspruch nehmen. Hinzu kommt die zunehmende Enttabuisierung dieses Themas und Fortschritte auf medizinischer Seite.
Der neue Leiter, Roman Knapp, will die bestehende Struktur weiterführen und mehr in die Information und Öffentlichkeitsarbeit investieren, wie er bekannt gab. Viele Menschen wüssten nicht, dass es den mobilen Hospizdienst gebe. Für das medizinischen Personal will er künftig Kurzseminare über den mobilen Hospizdienst anbieten.

Zum Foto: DGKP Roman Knapp (links) übernimmt in Beisein von Caritasdirektor Mag. Friedruch Schuhböck (mitte) von Johann Marsam (rechts) die Leitung des mobilen Hospizdienstes der Caritas.