Wohnunterstützung für psychisch Kranke

Psychisch kranke Menschen werden zum größten Teil nicht mehr in Anstalten untergebracht, sondern in unterschiedlich intensiv betreuten Wohnprojekten. Die Integration der Betroffenen in ein möglichst breites soziales Umfeld steht dabei im Vordergrund. Bei der Tagung „WohnRAUM – WohnTRAUM – WohnTRAUMA“ des Psycho-Sozialen Dienstes (PSD) der Caritas St. Pölten wurden verschiedene Studien zum Thema Wohnunterstützung psychisch Kranker vorgestellt und diskutiert.

Integrative und möglichst niederschwellige Formen der Wohnunterstützung sollten auch für schwer und chronisch psychisch kranke Menschen gefördert werden, betonte Univ. Doz. Dr. Stefan Frühwald, ärztlicher Leiter des PSD. Nicht nur Langzeitpatienten aus psychiatrischen Krankenhäusern sollte im Sinne einer „Enthospitalisierung“ der Umzug in niederschwellige Versorgungsformen ermöglicht werden, sondern auch Personen die bereits in gemeindenäheren Wohnheimen und Wohngemeinschaften leben.

Eine Evaluation der Einrichtungen zur Wohnunterstützung der Caritas St. Pölten habe gezeigt, „dass sich tatsächlich die Personen mit den häufigsten und längsten Krankenhausaufenthalten in der Vorgeschichte in voll betreuten Wohnheimen befanden“, erklärte Frühwald. Eine Verminderung der Betreuungsintensität, etwa die Entlassung in selbständiges Wohnen sei häufiger von lediglich „punktbetreuten“ Wohngemeinschaften möglich gewesen.

Das Modellprojekt einer „personenzentrierten Wohnbetreuung“ stellten Dr. Christian Korbel und DSA Martin Zauner vor. 30 schwer und chronisch psychisch Kranke, die von einer dauerhaften Heimeinweisung bedroht waren, konnten zur Teilnahme motiviert werden. Durch die innovative Arbeitsweise der Personenzentrierung, des „Case Management“, könne den besonders Bedürftigen „erstmals mehr Zeit und multiprofessionelle Betreuung angeboten werden“, wie Korbel und Zauner ausführten. Kein einziger der von der Einweisung bedrohten Patienten musste bis Ende 2007 in einem Heim untergebracht werden.

Psychiatriereform, Enthospitalisierung und Aufbau gemeindenaher Versorgungsstrukturen galten zur Jahrtausendwende als „weitgehend abgeschlossen“, berichtete Gastreferent Dr. Michael Franz, ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychetherapie Merxhausen, Deutschland: „Heime sind für den großen Teil psychisch Kranken überflüssig.“ Trotzdem sei ein „harter Kern besonders schwieriger Patienten“ in den Kliniken geblieben, für die nach wie vor eine „Versorgungslücke“ bestehe. Eine Spezialisierung auf schwierige Patienten mit Mehrfachdiagnose und komplexem Hilfebedarf sowie weitere Forschung in diese Richtung wäre dringend notwendig, betonte Franz.

Foto: Univ. Doz. Dr. Stefan Frühwald, ärztlicher Leiter des Psycho-Sozialen Dienstes der Caritas St. Pölten

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