Wo Gott erkannt wird, gibt es eine Gesellschaft mit Hoffnung

Wenn Menschen ihre Freiheit kennen und entsprechend gut verwenden, kann eine "Gesellschaft mit Hoffnung" entstehen, erklärte Bischof DDr. Klaus Küng am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober bei einem Vortrag am Sonntagberg. Der Bischof hatte an diesem Tag zur Österreichwallfahrt zu diesem Gnadenort im Mostviertel geladen. Gleichzeitig beging das "Haus am Sonntagberg" sein 10-jähriges Bestehen. "Jeder einzelne Christ muss seinen Weg finden und sich Zeit für Gott und Familie nehmen, damit Hoffnung in der Gesellschaft entstehe". Eine zentrale Bedeutung komme dabei der Familie zu, unterstrich der Bischof. Auf sie könne eine Gesellschaft, die Hoffnung für die Zukunft besitze, nicht verzichten.
Österreich sei im Verhältnis zu anderen Staaten ein privilegiertes Land mit geordneten sozialen und politischen Verhältnissen und großen politischen Freiheiten, führte der Bischof aus. Es gebe eine echte Wirtschaftliche Blüte, beste Kommunikationssysteme und eine optimale medizinische Versorgung. Dennoch bestehen trotz dieser besten Voraussetzungen auch Gefährdungen für den Einzelnen wie für die gesamte Gesellschaft. Der Bischof nannte dabei den Druck der Leistungsgesellschaft, mit dem viele nicht mehr mithalten können sowie die Folgen der heutigen Fun- und Konsumgesellschaft. Neue Lebensweisen führen dazu, dass Menschen ihre echte Mitte aus dem Leben verlieren und der Materialismus das Prägende in ihrem Leben wird. Trotz gutem Schulsystem gebe es zunehmend große Probleme in der Wertevermittlung, wies Bischof Küng hin. Die Familien, die eigentliche "Schule des Lebens", sei in eine Krise geraten. Die Folgen sind zu wenig Kinder, was sich noch dramatisch auf die Zukunft auswirken werde, warnte der Bischof.
Gerade wegen des Wohlstandes habe Österreich, das zu den reichsten Ländern Europas zähle, eine große Verantwortung auch für andere Länder und Staaten. Dies nicht nur als Frage des Glaubens, sondern auch aus Klugheit und Gerechtigkeit, betonte der Bischof. Doch hinter allem, so Bischof Küng, gebe es Anzeichen einer positiven Entwicklung. Es gebe vermehrt "Oasen geistlichen Lebens", die lebendig sind, wies er hin. Eine Gesellschaft mit Hoffnung sei jene, in der Gott wieder erkannt werde und im Grunde des Herzens eines jeden Menschen ist.

Gottesdienst in der Basilika
Bereits am Anschluss an die Fußwallfahrt vom Bahnhof Rosenau auf den Sonntagberg feierte Bischof DDr. Klaus Küng mit den Wallfahrern in der Basilika die heilige Messe. In seiner Predigt rief der Bischof die Anwesenden auf, Gott für das Land und seine Schönheit sowie den erreichten Wohlstand zu danken. Er wies aber auch hin, dass viele Menschen auf der Suche nach Erfolg und Erfüllung Gott aus der Mitte ihres Lebens verlieren. Nicht immer erweise sich der Fortschritt als das, was er sein sollte. Alle Gläubigen hätten heute eine wichtige Verantwortung, den Menschen mit denen sie zusammenkommen zu helfen, dass Gott nicht aus den Herzen entschwindet und in Vergessenheit gerät. Jeder müsse bemüht sein, sein Christsein - auch bei allen Schwächen - konsequent zu leben.