Wissenschaftliches Lebenswerk von Weihbischof Fasching erschienen

Das wissenschaftliche „opus magnum“ des emeritierten Weihbischofs Dr. Heinrich Fasching präsentierte das Diözesanarchiv St. Pölten. Die Edition „Die Wiener Konstitutionen für Regulierte Augustiner Chorherren in Österreich im 15. Jahrhundert“ sei die „Erfüllung eines Jugendtraumes“, erklärte Weihbischof Fasching beim Festakt zur Präsentation in Anwesenheit von Diözesanbischof Küng, Weihbischof Leichtfried und Generalvikar Gruber. „Mit dem Druck des Werkes findet die Arbeit an einem Thema, das Dr. Heinrich Fasching Zeit seines Forscherlebens begleitet hat, nämlich die Forschungen zu den Statuten der Augustiner Chorherren, einen gebührenden Abschluss“, erklärte Dr. Thomas Aigner, Direktor des Diözesanarchivs St. Pölten.
Eine Edition zu verfassen sei die „Königsdisziplin“ der Geschichtswissenschaften, erklärte Dr. Aigner, die sämtliche Hilfswissenschaften umfasse. Hinter dem etwas sperrigen Titel verberge sich nicht nur höchstrangige wissenschaftliche Arbeit, wie Aigner betonte, sondern auch eine spannende Epoche des Umbruchs im Österreichischen Ordensleben, die „einen aktuellen Bezug zum Erneuerungsprozess der Diözese“ habe. Die Beschäftigung mit Geschichte könne uns „Orientierung geben“ und den „großen Schatz der Kirche“ vermitteln, der stets „neu gehoben“ werden müsse.

Als „programmatisches Werk“ bezeichnete Univ.-Prof. DDr. P. Floridus Röhrig vom Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg in seiner Festrede die Edition. Hinter dem „beeindruckenden Umfang“ des Bandes stecke mehr als wissenschaftliche Arbeit und Disziplin: „Es geht um das Anliegen der Kirche, zeitgemäß zu wirken. Im Sinne der Erfordernisse der Zeit ist in der Kirche wieder mehr Heiligkeit und Spiritualität gefragt.“

Es sei bisher kaum bekannt gewesen, dass im 15. Jahrhundert eine „neue Art der Seelsorge“ von den Klöstern der Augustiner Chorherren ausging, erklärte Prof. Röhrig. Es sei das Verdienst Dr. Faschings diese Forschungslücke in der Ordensgeschichtsschreibung gefüllt zu haben. Auch zwei damals neu gegründete Gemeinschaften in Österreich, Dürnstein und St. Dorothea in Wien, verbreiteten die „Devotio moderna“, eine neue Form der persönlichen Frömmigkeit, die aus dem frühen Humanismus hervorgegangen war. Die Klöster wirkten als „Beispiele für das Leben in der Welt“, so Röhrig, wobei kultureller und spiritueller Auftrag Hand in Hand gingen.

Die im 15. Jahrhundert im Zuge von Reformbestrebungen entstandenen „Wiener Konstitutionen“ wurden von vielen regulierten Augustiner-Chorherrenklöstern übernommen und stellen damit eine bedeutende Quelle für die Lebensweise dieses Ordens dar, wie es auf dem Einband des Werkes heißt: „Mit vorliegender Edition werden erstmals alle vorhandenen Überlieferungen zu den Wiener Konstitutionen in einem Werk zusammenfassend dargestellt sowie diesbezügliche Sekundärliteratur kritisch hinterfragt.“