Nikolaus
 
 

Wiederbelebung der Wallfahrt nach Annaberg

Am 29. Juli wird die einst viel besuchte und begehrte Wallfahrt nach Annaberg wieder belebt. Annaberg in Niederösterreich war in der Monarchie der bedeutendste Annenwallfahrtsort. Aus allen Kronländern kamen die Wallfahrer, um bei der Anna Selbdritt (Anna, Maria und das Jesuskind) ihre Anliegen zur Fürbitte vorzubringen.

Das Projekt der Wiederbelebung der Annenwallfahrt geschehe "in memoriam Liese Prokop", die zuletzt in Annaberg beheimatet war, erklärt Dr. Elsbeth Wallnöfer, Volkskundlerin an der Universität Wien und eine der Initiatorinnen. Das Projekt wird von der Gemeinde Annaberg, dem Kulturverein Annaberg und der Volkskultur Niederösterreich sowie von einer eigenen Plattform getragen.

Die Wallfahrt am Sonntag nach dem Gedenktag der hl. Anna (26. Juli) steht unter der Patronanz der Gattin des niederösterreichischen Landeshauptmanns, Elisabeth Pröll, und beginnt um 7 Uhr bei der Kapelle Siebenbrunn in der Gemeinde Türnitz mit einem Empfang durch die Bürgermeisterin der Gemeinde Annaberg, Petra Zeh. Um ca. 11 Uhr hält der Abt des Zisterzienserstiftes Lilienfeld, Matthäus Nimmervoll, in Annaberg ein Hochamt zu Ehren der hl. Anna und zum Gedenken an Liese Prokop. Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll wird zur Geschichte und Bedeutung der Annenwallfahrt sprechen.
Tayfun Belgin, Direktor der Kunsthalle Krems, stellt das Buch "Von heiligen Orten und heiligen Seelen. Annaberg und die Heilige Anna" von Elsbeth Wallnöfer und Peter Kubelka (Böhlau-Verlag) vor. Aus Anlass der Wiederbelebung der Wallfahrt erzählt das Buch mit poetischen Bildern von der einst so volksnah verehrten Frau, deren legendäres Leben in der Kunstgeschichte reizvolle Darstellungen erfahren hat.

Annasuppe und Annatüchlein

Anschließend laden die Organisatoren zur Verkostung der "Annasuppe" und zu Brot und Wein. Die "Annasuppe" ist eine Suppe aus Kräutern der Region, die von Dr. Wallnöfer gemeinsam mit Starkoch Toni Mörwald und den Wirtsleuten aus Annaberg kreiert wurde. Die Suppe enthält Kräuter, die auch in der christlichen Ikonographie vorkommen, wie etwa Löwenzahn (Blume der Passion Christi), Gänseblümchen (Symbol für Unschuld) und Frauenmantel. Die weiblichen Teilnehmer der Wallfahrt bekommen auch ein "Annatüchlein", ein als Hals- und Kopftuch verwendbares Baumwolltuch in den hagiographischen Farben der hl. Anna, rot und grün, mit einem stilisierten Selbdritt-Motiv und dem Schriftzug "Annaberg".

Annaberg im alpinen Mostviertel Niederösterreichs war bis in das theresianische Zeitalter der bedeutendste Annen-Verehrungsort Österreichs und ist sowohl eine der wichtigsten Wallfahrtstationen an der Via Sacra nach Mariazell als auch selbständiger Wallfahrtsort. Das Wahrzeichen, die der St. Anna geweihte Wallfahrtskirche, wurde 1217 von Stift Lilienfeld aus errichtet, schon damals als Etappenpunkt mit Rast- und Andachtstätte für Pilger. Die Kirche mit gotischem Chor war die erste Wallfahrtskapelle zur Hl. Anna in Österreich.
Im Inneren der Kirche befindet sich die aus dem Jahr 1440 stammende Anna-Selbdritt-Gruppe, die Jakob Kaschauer geschaffen haben soll, ein Kleinod gotischer Schnitzkunst. Doch nicht nur sie war das Ziel der Wallfahrer, sondern auch ein kaiserliches Geschenk aus dem Jahr 1660: Die Hirnschale der Hl. Anna, zwar zweifellos unecht, aber trotzdem in früheren Zeiten angebetete Reliquie.

Anmeldungen zur Wallfahrt unter , , oder unter 0676/32 500 13.