Wie viel Religion braucht die Erwachsenenbildung?

"Der heutige egalitäre Bildungsmarkt ist eine Chance und Verführung zugleich". Dies betonte der Religionspädagoge und Leiter des Instituts für praktische Theologie an der Theologischen Fakultät in Innsbruck, Univ. Prof. Dr. Matthias Scharer bei der Jahrestagung des Katholischen Bildungswerkes der Diözese St. Pölten am 22. April im Canisiusheim Horn. Die Religion gewinne weltweit wieder an Bedeutung, erklärte Scharer. Die Leugnung und Tabuisierung der Religion in der Bildung sei heute weithin überholt. Religionsdialog und Pluralität seien in der Bildung zur neuen Herausforderung geworden.
Scharer warnte aber vor der neuen Gefahr, dass Religion für wirtschaftliche und politische Zwecke eingesetzt und am neoliberalen Markt zur Stabilisierung wirtschaftlicher Interessen missbraucht werden könnte.
Auf diesem Markt sei die Bildung weitgehend zu einem Produkt geworden, was ebenso für die Religion und ihre Bildungsangebote gelte. Die Angebote werden nur mehr in ihrer Funktionalität gesehen und nur dort angenommen, wo sie auch "gebraucht" werden, menschliche Bedürfnisse zu erfüllen. Dabei gebe es viele Ansatzpunkte, die auch Chancen beinhalten. Der Glaube dürfe sich aber in die heutige Zweckgesellschaft nicht völlig einfügen, unterstrich Scharer. So stehe Jesu Tod und Auferweckung in tiefstem Widerspruch zum heutigen Denken. Es fordere den Menschen zutiefst heraus und werde deshalb weithin nicht angenommen.
Kritisch steht Scharer einer einseitigen Orientierung auf jene Bildungsangebote gegenüber, die öffentlich interessant und gefragt sind und nur durch Evaluierung und Effizienzkontrolle gerechtfertigt werden müssen.

Auf die Fragen des Lebens einlassen

Bereits in seiner Einführung hat Bischof DDr. Klaus Küng auf die Grundhaltung des Katholischen Bildungswerkes Bezug genommen, das in seinen Angeboten "nie banal" werden dürfe. Das heiße aber nicht, nur mehr religiöse Veranstaltungen anzubieten, sagte er, doch sollte beim katholischen Bildungswerk dieser Bezug immer gegeben sein. Der Bischof rief die Bildungswerkleiter auf, stets auch die "Zeichen der Zeit" zu sehen, wie es bereits das Zweite Vatikanische Konzil ausgedrückt habe. Bei vielen Menschen zeige sich heute wieder eine tiefe Sehnsucht, wies er hin. "Haben wir den Mut, den Glauben darzulegen, wie er auch von der Kirche gelehrt wird". Der Bischof ermutigte abschließend die anwesenden Bildungswerkleiter, "das Abenteuer zu wagen und sich auf die drängenden Fragen des Lebens einzulassen".