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Wer darf wählen - wer wird gewählt?

"Das Prinzip der Wahl, des Volksentscheides hat in der Kirche eine lange Tradition", erklärt Dr. Manfred Wohlfahrt, Referent für die Pfarrgemeinderäte der Diözese St. Pölten. Ein Blick auf die Urkirche oder auf die Klöster zeige, dass Wahlentscheidungen "immer präsent" gewesen seien. "Das hat man sich nicht erst jetzt ausgedacht", die kirchlichen Wahlen seien aber auf eine "breitere Basis" gestellt worden.

Wahlberechtigt sind alle Mitglieder der Pfarrgemeinde, die das 16. Lebensjahr vor dem 1. Jänner 2007 vollendet haben oder gefirmt sind (ohne Berücksichtigung ihres Alters). Das Wahlrecht kann nur in der Pfarre ausgeübt werden, in der die Wahlberechtigten ihren Hauptwohnsitz haben. Die Mitglieder des neuen Pfarrgemeinderates werden in geheimer und direkter Wahl auf die Dauer der Funktionsperiode von fünf Jahren gewählt. Jede Pfarre setzt den Ort und die Uhrzeiten für die Wahlmöglichkeit selbst fest. Es sind daher die Aushänge in den Schaukästen der Pfarren zu beachten.

Bei der letzten Pfarrgemeinderatswahl 2002 lag die Wahlbeteiligung in der Diözese St. Pölten bei 29 Prozent. "Das Problem der stagnierenden oder rückläufigen Wahlbeteiligung ist bei uns nicht anders als bei politischen Wahlen", meint Dr. Wohlfahrt. 54 Prozent der gewählten Pfarrgemeinderäte waren Frauen, nur 2,5 Prozent Jugendliche unter 20 Jahren. "Die jungen Menschen können sich gar nicht auf längere Zeit festlegen", so Dr. Wohlfahrt. "Obwohl oft viele Jugendliche in der Pfarre aktiv mitarbeiten erlaubt ihre Lebensplanung, etwa durch Ausbildung und Studium, keine Bindung auf fünf Jahre. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen."

Erste Pfarrgemeinderatswahl 1973

Das 2. Vatikanische Konzil hat die Laien verstärkt zur Mitarbeit und zur Verantwortung in der Kirche berufen. Nach der Diözesansynode von 1971/72 wurde in der Diözese St. Pölten erstmals 1973 ein Pfarrgemeinderat "ad experimentum" gewählt. Die erste verbindliche Wahl fand 1978 statt. Seit 1987 werden die Pfarrgemeinderatswahlen in sämtlichen österreichischen Diözesen alle fünf Jahre gleichzeitig abgehalten.

Nach der Pfarrordnung der Diözese St. Pölten setzt sich der Pfarrgemeinderat zusammen aus dem Pfarrer als Vorsitzenden und aus offiziellen, gewählten und berufenen Mitgliedern. Offizielle Mitglieder sind alle Geistlichen (Priester, Diakone) sowie alle Laien, die hauptamtlich in der Pfarrseelsorge angestellt sind. Die Pfarrgemeinde soll so viele Personen wählen, dass der Pfarrgemeinderat etwa zur Hälfte aus gewählten Mitgliedern besteht. Zusätzlich zu den gewählten Mitgliedern kann der Pfarrer bis zu fünf Personen berufen, die durch besondere Fachkenntnisse oder durch ihre Stellung die Arbeit des Pfarrgemeinderates besonders fördern können. Bei der Zusammensetzung sollen die Größe und die Struktur der Pfarre berücksichtigt werden.