Nikolaus
 
 

Welche Flüsse münden in die Donau?

"Welche Flüsse münden in die Donau?" So hört sich eine traditionelle Prüfungsfrage an. Künftig soll sie lauten: "Warum haben Gebiete, die an Flüssen liegen einen wirtschaftlichen Vorteil?" So sieht es die für die Pflichtschulen zuständige NÖ Landedesrätin Christa Kranzl bei einer Diskussion im Bildungshaus St.Hippolyt, bei der der Kath. Familienverband sein neues Bildungskonzept vorstellte. In wesentlichen Punkten sieht sich die SPÖ-Landesrätin mit den neuen Vorschlägen des Familienverbandes einverstanden, etwa keine zu frühen Differenzierungen in Schultypen vorzunehmen und die ganztägige Schulformen einzufüh, wie es bereits beschlossen wurde. Ihr Wunsch sei, das beizubehalten, was am Bildungssystem gut sei und durch jenes zu ergänzen, was in anderen Ländern besser sei. Die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie hätten jedenfalls aufgeschreckt und zu Diskussionen geführt, wie sie lange nicht geführt wurden.


Innere Schulreform
Der Vorsitzende des St. Pöltner Familienverbandes und in der Lehrerausbildung tätige Pädagoge Dr. Josef Grubner erläuterte das Bildungsmodell des Familienverbandes, bei dem er vor allem das Zusammenwirken von Eltern und Schule hervorhob. Grundlegend sei die "innere Schulreform", unterstrich Grubner. "Wir brauchen eine Qualitätsverbesserung der Unterrichts- und Erziehungsarbeit". Die habe man sich in der Vergangenheit "zu sanft und leicht" gemacht, meinte er. Eine wesentliche Betonung liege auf der Sprachkompetenz erläuterte er mit Verweis auf das nordische Bildungsmodell. Und er ergänzt: Individualisierung im Unterricht und kleine Klassen seien dazu vonnöten. Ein wesentlicher Schlüssel sei auch der Ausbau des Fördersystems, durch das jeder Schüler seinen Begabungen entsprechend gefördert werden könne.
Strukturelle Reform
Das Konzept des Verbandes sei eine Diskussionsanregung "und noch keinesfalls ein fertiges Produkt", betont Grubner. Es sieht einen verpflichtenden Kindergarten bzw. ein Vorschuljahr vor. Danach folgen sechs Jahre gemeinsame Grundstufe (als "GEG" bezeichnet) und danach eine "individualisierende Mittelstufe" ("IMI genannt) für die 12- bis 15-Jährigen. Diese einheitliche Schulform beinhalte bereits differenzierte Lerngruppen, die gegen Ende des zweiten und dritten Jahres durch Talente-checks ergänzt werden. Diese mittlere Stufe gliedere sich in die sprachlich-mathematisch-naturwissenschaftliche Sparte, die musisch-kreative-künstlerische Form und den handwerklich-praktischen Bereich.
Erst danach beginne die eigentliche Differenzierung in die bereits vorhandenen AHS-Oberstufenmodelle, die BHS und BMS-Formen sowie die Lehre in einer dualen Ausbildung, die mit der Berufsreifeprüfung bzw. dem Meistertitel abschließt. Entsprechend diesen neuen Anforderungen sei auch die Pädagogen- und Lehrerausbildung zu reformieren, wofür Dr. Grubner bereits ein weiteres Konzept zur Diskussion vorlegte.


Landesschulrat: Kritik an Pisa-Studie
Kritik, dass die Pisa-Studie über die Medien falsch interpretiert wurde, übte der amtsführende Präsident des NÖ Landesschulrates Adolf Stricker. "Hier wurde ein einziger gemeinsamer Raster über 41 Schulsysteme gelegt", sagte er. Die Werte seien "nicht lupenrein vergleichbar". Die Pisa-Studie habe nur das aufgezeigt, was man ohnehin wisse, dass die Schulen eine zu geringe Spontankompetenz hätten und Fragen der Organisationsstruktur sekundär seien. Vor einer Diskussion fordert der Präsident, zuerst die Begriffe klar zu stellen, damit man wisse, worüber diskutiert werden soll. Österreich habe ein ausgezeichnetes Bildungssystem, das "zu den zehn besten der Welt gehört", betont Stricker. 83 Prozent der Schüler und 82 Prozent der Eltern stellen der österreichischen Schule ein "ausgezeichnetes" Zeugnis aus. Jeder Schüler und dessen Umfeld es ernst nehme, habe optimale Chancen, unterstrich er. Leider habe das Umfeld oft zuwenig Informationen und zuwenig Antrieb. Man solle daher vielmehr überlegen, wie die Neugierde über die Schule hinaus gefördert werden könne.