Weihnachten heißt auf Christus schauen

Die Geburt Christi feiern heißt nicht unbedingt in Feststimmung zu sein, sondern vielmehr auf Christus zu schauen. Dies betonte Weihbischof Dr. Anton Leichtfried am 20. Dezember bei seiner ersten Weihnachtsmesse in der Justizanstalt St. Pölten. Weihbischof Leichtfried und der langjährige Gefangenenseelsorger Prl. Josef Wansch feierten zum ersten Mal gemeinsam mit den Inhaftierten den Weihnachtsgottesdienst, der vom Chor des Pastoralamtes und der Katholischen Aktion musikalisch umrahmt wurde.

Vor zahlreichen Inhaftierten und Ehrengästen aus der Rechtsprechung und dem Sozialdienst stellte Leichtfried fest, dass es heute nicht wenige Menschen gebe, die Weihnachten nichts zu feiern hätten und sich nicht mehr auf dieses Fest der Erlösung freuen können. "Menschen wünschen sich ein frohes Fest und übersehen dabei den eigentlichen Grund: die Geburt des Erlösers", sagte er.
Auch zur Zeit der Geburt Jesu stand die Krippe nicht im Zentrum, weder der Paläste noch der Tempel oder Städte, verglich der Weihbischof. Die Krippe stand vielmehr am Rande, zeigte er die Parallele zum heutigen Weihnachten auf, der von Konsum und wirtschaftlichen Interessen geprägt sei.
Jesus sei damals in die Dunkelheit gekommen, er kennt die Schattenseiten und das Dunkel des Lebens. Diese Krippe brauche keine Scheinwerfer oder Kerzen, um beleuchtet zu werden, sagte Leichtfried. In alten Weihnachtsdarstellungen gehe das Licht vielmehr von der Krippe, von Jesus Christus selbst aus. Er erhelle alles, er sei der Erlöser, vor dem niemand Angst haben brauche.
Die Inhaftierten verwies er abschließend auf den Spruch "Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens". Weihnachten sei ein Anlass sich zu entscheiden, immer mehr und tiefer auf Christus zu schauen, damit er helfe "Licht in mein und dein Leben zu bringen", ermunterte er die Anwesenden.

Weihnachtspäckchen der Frauenbewegung

Als Weihnachtsgeschenk erhalten alle Inhaftierten ein Päckchen, das die Katholische Frauenbewegung für all jene geschnürt hat, die Weihnachten nicht zu Hause feiern können oder allein feiern müssen. Dazu gehören die Inhaftierten der Justizanstalten in St. Pölten, in Krems und Krems-Stein sowie die Menschen in der Notschlafstelle Kalvarienberg, der Frauenwohngruppe in St. Pölten sowie für die psychisch Kranken in Mauer und für die Schubhäftlinge in St. Pölten. Insgesamt 1.700 Päckchen mit Weihnachtskeksen, Löskaffee, Süßigkeiten und einem kleinen Weihnachtsgruß haben die Frauen verpackt. Sie sollen ein Zeichen sein, dass diese Menschen nicht vergessen sind.
Am Ende der Feier in der Justizanstalt St. Pölten erklärte ein Mithäftling im Namen aller Inhaftierten: "Wir haben zwar für eine Zeit unsere Freiheit verloren, nicht aber unsere Menschenwürde".