Wege in die Welt der religiösen Musik

Verschiedene Wege in die Welt der religiösen Musik bietet das Festival "Musica Sacra", das vom 6. September bis 11. Oktober Konzerte und musikalisch gestaltete Gottesdienste im Dom zu St. Pölten und in den Stiftskirchen von Herzogenburg und Lilienfeld veranstaltet.

Die "überwältigende Mystik musikalischen Empfindens" ist auch heuer wieder erklärter Schwerpunkt des Kirchenmusikfestivals. Verschiedene Wege führen dieses Jahr "durch die ewige, unendliche Welt der Töne", wie Dr. Astrid Schramek vom Veranstaltungsverein des Festivals erklärt. Einerseits führen die Konzerte auf die "breite Straße" eines Johann Sebastian Bach mit seinen unsterblichen Motetten und Orgelwerken.
Andererseits sind da die "leid- und blutbefleckten Fluchtwege" sephardischer Juden nach ihrer Vertreibung aus dem gelobten Land Spanien durch die Reconquista mit all ihren schwermütigen und wehmutsvollen Klängen im Schnittpunkt christlicher und muslimischer Musiktradition. Auch stehen sich das kontemplative Organum, der "karge Pfad" des Mittelalters, und die stolze "via triumphans" der venezianischen Mehrchörigkeit gegenüber, wie Dr. Schramek ausführt.

Das Konzert "Jesu meine Freude" am Samstag, 6. September 2008, um 19.30 Uhr in der Domkirche St. Pölten unter der Leitung von Otto Kargl ist ein einziger Lobgesang zur Ehre Gottes: manifestiert in Johann Sebastian Bachs sechs prachtvollen Motetten, basierend auf Bibeltexten und Chorälen, jede für sich eine kleine Kantate.

Das Ensemble Sarband unter Vladimir Ivanoff widmet sich am Samstag, 13. September 2008, um 19.30 Uhr in der Stiftskirche Herzogenburg einem anderen Aspekt des Geistigen: der Brücke über alle Religionen hinweg. Unter dem Titel "Kulturen der Toleranz" unternimmt eine musikalische Wanderung durch den Mittelmeerraum und acht Jahrhunderte Musikgeschichte und zeichnet so ein musikalisches Bild des alltäglichen Zusammenlebens der sephardischen Juden mit Christen und Muslimen in Al-Andalus, im Osmanischen Reich und in der europäischen Diaspora.

Im Orgelkonzert am Freitag, 3. Oktober 2008, um 19.30 Uhr in der Domkirche St. Pölten, dargeboten von Olivier Latry, stehen einander Werke zweier Komponisten gegenüber, die ihr Leben in den Dienst Gottes gestellt haben: J. S. Bach und Olivier Messiaen, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird.

Das Ensemble Las Huelgas nimmt den Zuhörer am Samstag, 4. Oktober 2008, um 19.30 Uhr in der Stiftskirche Lilienfeld mit auf eine Reise durch die Zeit von 800 bis 1400. Unter der Leitung von Paul van Nevel beleuchtet es die Entwicklung der westeuropäischen Musik von den ersten Schritten, die zum Verlassen der Einstimmigkeit geführt haben, bis hin zur komplexen Polyphonie am Ende des Mittelalters.

Die glanzvolle Zeit des Barocks in Venedig beschließt den Konzertzyklus des Festivals. In Italien, Jahrhunderte lang führend in der Kunst Europas, fand um 1600 eine stilistische Wende in der Musik statt, die einem regelrechten Umsturz gleichkam: fort von der pompösen Mehrchörigkeit und dem schlichten wortdeutlichen Chorgesang, den die katholische Kirche als verbindlich festgelegt hatte, hin zum continuobegleiteten affektgeladenen Sologesang. In seinem Programm stellt das Balthasar Neumann Ensemble am Samstag, 11. Oktober 2008, um 19.30 Uhr in der Domkirche St. Pölten Motetten rund um den Venezianer Claudio Monteverdi vor, die verdeutlichen, in welchem Ausmaß die Musik sich emanzipierte und die Vormacht der Kirche hinter sich ließ, ohne dabei vom Glaubensinhalt abzuweichen.

Termine von Gottesdiensten, Kartenpreise und Vorverkauf finden sie auf www.festival-musica-sacra.at .

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