Was du noch tun kannst, ist niederknien und den Boden küssen

"Der junge Mann muss erfahren, dass es im Leben letztlich nicht nur um ihn selbst geht. Er ist Teil des gesamten Lebens". So der amerikanische Männerforscher und Franziskaner Richard Rohr bei einem Vortrag im VAZ St. Pölten über sein neuestes Buch "Adams Rückkehr". Viele Menschen würden durch ihre persönlichen Selbstinteressen die Wirklichkeit nicht mehr sehen, kritisierte Rohr den westlichen Individualismus. Der 1943 geborene Priester Richard Rohr lebt als Einsiedler bei einer Franziskanischen Gemeinschaft in Albuquerque in den USA. Er ist Pfarr- und Gefängnisseelsorger, hält weltweit Seminare und Vorträge und wurde als Autor von Büchern wie "Wer loslässt wird gehalten", "Der Wilde Mann", "Masken des Maskulinen", "Das Enneagramm" und durch sein neuestes Buch "Adams Rückkehr - Die fünf Verheißungen männlicher Initiation" bekannt.

Bei seinem Vortrag in St. Pölten vor etwa 400 Zuhörern betonte der Autor und Leiter von Männerseminaren, dass in allen Kulturen der Welt für junge Männer, wenn sie erwachsen werden, "fast die gleichen Initiationsriten" bestehen. Unabhängig von Weltanschauung und Religion. Dieses Wissen um das Mann-Werden soll gerade der westlichen Zivilisation wieder nahe gebracht werden, strebt Rohr an. Gerade im Alter zwischen 13 und 15 Jahren würden die meisten Buben "Visionen des Lebens" brauchen, die sie heute aber weithin nicht mehr erhalten.

Rohr verwies in seinen Ausführungen auf den "Initiationsritus", wie er in einigen Diözesen Neuguineas durchgeführt werde: Jugendliche begeben sich für einige Zeit mit einem Mann in den Dschungel, um zu überleben und ihre Erfahrungen in und mit der Natur zu machen. Erst danach werden sie vor der Kathedrale vom Bischof empfangen und erhalten die Firmung. "Für wie viele Menschen ist die Firmung ein derart Leben veränderndes Sakrament gewesen?" fragte Rohr die Anwesenden.

Ein solcher Initiationsritus zum Erwachsenwerden bedeute für den Jugendlichen, Gott in allem zu finden, sagte Rohr. So könnten auch Laien lernen, ihren eigenen Erfahrungen mehr zu vertrauen "und darin tiefer zu gehen". Doch die meisten Menschen der westlichen Welt "haben noch nichts erfahren, was sie begeistert und die Welt verändert hat". Rohr setzt auf die persönliche Erfahrung und das intuitive Erleben der jungen Männer und bedauert, dass die Menschen im Westen "nur mit dem Kopf" ihre vermeintlich mystischen Erfahrungen machen.

Wer aber tiefer in die Mystik eindringe, werde dankbar und für ihn werde alles zum Geschenk. "Was du dann noch tun kannst, ist niederknien und den Boden küssen. Wenn du aber dazu nicht bereit bist, hast du das wahrscheinlich noch nicht erfahren", schloss Rohr seine Ausführungen.