Vorgänge waren nicht schon seit zwei Jahren bekannt

(kp) Der Apostolische Visitator für die Diözese St. Pölten, Bischof Klaus Küng, hat im Hinblick auf die ARD-Dokumentation "Priesterseminare im Zwielicht" betont, dass weder die Österreichische Bischofskonferenz noch der Vatikan bereits seit zwei Jahren vom homophilen Netzwerk im St. Pöltner Priesterseminar Kenntnis gehabt haben, wie in dem deutschen TV-Beitrag behauptet wird. Erste deutliche Hinweise auf "problematische Zustände" im Priesterseminar St. Pölten hätten sich im November 2003 ergeben, als bei der Suche nach Viren im Computersystem pornografische Bilder entdeckt wurden, erinnerte Bischof Küng. Nach einer ersten internen Untersuchung sei am 27. November eine Anzeige des Diözesanbischofs Kurt Krenn an die niederösterreichische Sicherheitsdirektion erfolgt.

Etwa zum selben Zeitpunkt tauchten unter den Seminaristen und auch im Klerus der Diözese St. Pölten erste Hinweise auf das Bestehen homophiler Beziehungen im Priesterseminar auf. Es sei zu Anfragen in diözesanen Gremien gekommen, "aber über die internen Bereiche der Diözese hinaus wurde dies meines Wissens nicht bekannt", so Bischof Küng.

Erst durch genaue Befragungen von Seminaristen durch die Kriminalpolizei im heurigen Juni, durch die Hausdurchsuchungen im Mai und Juni sowie durch Äußerungen Hilfe suchender Seminaristen seien die Hinweise auf homophile Beziehungen im Seminar erhärtet worden.
Die "genauere Konsistenz der homophilen Vorkommnisse und ihre Zuordnung zu Einzelpersonen" sei auch jetzt noch nicht endgültig geklärt.