Vom Sozialwort zur sozialen Tat

Keine Rezepte oder Patentlösungen anbieten, sondern Bausteine in der Umsetzung des Sozialwortes entdecken und entwerfen - das wollte die Ideenwerkstatt über das Sozialwort am 3. Juni im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. An diesen Überlegungen nahmen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der Pastoral der katholischen, evangelischen und methodistischen Kirche teil. Dr. Paloma Fernandez de la Hoz von der Katholischen Sozialakademie legte dabei die wesentlichen Inhalte für eine Pastoral in den Pfarrgemeinden dar. Im Mittelpunkt müsse die Praxis stehen, betonte sie und verwies auf die Entstehung des Sozialwortes, das gerade "im sozialen Bereich die Ökumene weiter geführt hat als alle theologischen Reflexionen bisher". Das in Buchform veröffentlichte Sozialwort sei nicht als Endprodukt, sondern als Grundlage für weitere Diskussionen und Umsetzungen gedacht, sagte sie. Die Ökumene sei dabei eine wichtige Selbstverpflichtung der Kirchen.

Der offene Charakter des Sozialwortes soll zum weiteren inhaltlichen Austausch in sozialen Fragen weiter beitragen und die Zusammenarbeit in den Kirchen fördern, unterstrich Fernandez de la Hoz. Im Mittelpunkt des ökumenischen Sozialwortes stehe eindeutig "die Würde des Menschen mit der Option für Arme und Benachteiligte" wie auch eine eindeutige Stellungnahme zur demokratischen Ordnung. In anderen Fragen gebe es, so die Referentin, auch unter den christlichen Kirchen weiterhin verschiedene Antworten. Fernandez de la Hoz warnte davor, aus dem Sozialwort nur einzelnen Sätzen zu verwenden. Vielmehr solle man sich mit den verschiedenen Lebensbereichen befassen und diese mit dem Sozialwort konfrontieren.

Von den Teilnehmern wurden als "Hindernisse" für das Sozialwort etwa der Zeitgeist genannt, oder dass das Sozialwort selbst "zu glatt" formuliert sei, genauere Handlungsimpulse fehlen und auf manche Diskrepanzen von kirchlichen Aussagen und sozialer Wirklichkeit nicht eingehe. Sehr positiv wurde hingegen die ökumenische Zusammenarbeit gelobt und auch der neue Schritt, die Umsetzung in die pastorale Praxis auf Pfarrebene voranzutreiben. In Arbeitskreisen versuchten die Teilnehmer anschließend, Ideen für die konkrete Umsetzung in den Bereichen Liturgie, Erwachsenenbildung, bei sozialen Projekten und für die Schule zu entwerfen. Dabei wurde von allen unterstrichen, dass die Arbeit mit dem Sozialwort auf die Praxis bezogen sein müsse.

Für die kommenden Adventsonntage 2004 wurde unter anderem angeregt, Gottesdienstbehelfe mit starkem Bezug zum Sozialwort zu erstellen. Auch Sonntage mit einem besonderen Anlass, etwa der Gastarbeitersonntag oder der Sonntag der Weltkirche sollten mit dem Sozialwort verknüpft werden. Unterstrichen haben die Teilnehmer auch, dass in der Erwachsenenbildung das Bewusstsein für soziale Verantwortung vor allem durch die emotionale Betroffenheit gebildet werden kann. Für das Engagement in sozialen Projekten seien Wissen, menschliche Begegnung und konkrete Hilfe gleichermaßen nötig. Davon könne sich niemand ausschließen, denn "Christsein und soziales Tun gehören untrennbar zusammen", betonte eine Teilnehmerin.