Vom Arbeitsmann zum ganzen Menschen

"Männer wollen mehr als Macht, Geld und schnelle Autos", erklärte Mag. Dr. Eduard Waidhofer, Leiter der Männerberatung der Diözese Linz, als Referent beim 5. St. Pöltner Männerforum am 1. Dezember. "Männer wollen wirklich leben, nicht nur arbeiten." Der Weg des heutigen Mannes führe daher "vom Arbeitsmann zum ganzen Menschen", so Waidhofer. Nicht nur Frauen, sondern auch Männer hätten ein Vereinbarungsproblem von Arbeit, Familie und Innenleben: "Die Männer wollen auch gute Väter sein und zu sich kommen."

Das traditionelle Männerbild sei auch und besonders von den Männern selbst in Frage zu stellen, betonte Dr. Waidhofer. Dazu gehörten Einstellungen wie: "Ein Mann hat keine Probleme, und wenn er welche hat, löst er sie selbst." Gefühle, Sensibilität und Fürsorge hätten im Leben der meisten Männer zu wenig Platz.
"Der Macho und der Softie haben ausgedient - was nun?", so fragte der Theologe und Psychotherapeut. Die Beziehung zwischen Mann und Frau brauche Gleichwertigkeit, bei gleichzeitiger Anerkennung der Unterschiedlichkeit der Lebens- und Innenwelten. "Der Machtkampf der Geschlechter tötet die Liebe. Damit Beziehungen gelingen, muss auch der Mann etwas zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen", unterstrich Waidhofer.

Bei dem anschließenden "World Cafe" konnten die Teilnehmer unter dem Motto "Was Männer wirklich wollen" in einer entspannten, kaffeehausähnlichen Atmosphäre einen kreativen Prozess in Gang setzen. Mehrere Gesprächsrunden förderten den Austausch von Wissen und Ideen unter den Beteiligten und führten zu neuen Erkenntnissen, die Dr. Waidhofer so zusammenfassen konnte: "Zu erfahren, wer sie wirklich sind - das ist es was Männer wirklich wollen. Denn: Wenn ich nicht bei mir bin, kann ich auch nicht bei anderen sein." So spiele lebendige Spiritualität eine entscheidende Rolle bei der Selbstfindung des modernen Mannes.