"Verein Wohnen" saniert ehemalige Bürgerspitalshäuser

"Hier wird in ein paar Jahren eine grüne Oase mitten in der Stadt entstehen". So Johann Lechner, Geschäftsführer vom Verein Wohnen beim ersten großen "Baustellenfest" in der St. Pöltner Ranzonigasse. In den nächsten beiden Jahren soll zwei desolate Wohnobjekte des ehemaligen Bürgerspitals durch die GESA (Gemeinnützige Sanierungs- und Beschäftigungs-GmbH) wieder renoviert und revitalisiert werden. Ein Baurechtsvertrag mit 100-jähriger Laufzeit zwischen Magistrat St. Pölten und dem Verein Wohnen hat es möglich gemacht, dass dort 21 Wohneinheiten entstehen. Der Verein Wohnen ist mit kirchlicher Hilfe entstanden, Menschen eine Beschäftigung zu geben und dabei gleichzeitig günstige Wohnungen zu adaptieren. "Diese alten Häuser haben auch einen Symbolwert", meint Lechner. Alt, verwohnt und desolat und fast unnütz stehen sie mitten in der Stadt, gleichsam wartend abgerissen zu werden und einem modernen Einkaufszentrum zu weichen. "Wie jene Menschen, die in unserer Leistungsgesellschaft nicht mehr mithalten können", sinniert er und zählt aus der aktuellen Statistik auf: 3.500 Haushalte in Niederösterreich seien von Delogierung bedroht, 1515 Menschen sind über ein Jahr lang ohne Job und jährlich werden 15.000 Lohnpfändungen durchgeführt. Lechner ergänzt: 185 Bewerbungs- und 590 Beratungsgespräche habe er heuer bereits hinter sich - mit Menschen, die verzweifelt sind kaum Hoffnung haben.
Die Arbeit von Verein Wohnen sei dabei ein wichtiges Zeichen und für viele eine Hilfe, diesen Menschen wieder Arbeit, Wohnung und damit Zukunft zu geben.

Als "beeindruckende Leistung" bezeichnete Mag. Mario Danler vom AMS Niederösterreich die Arbeit vom Verein Wohnen, das seit 1993 vom AMS gefördert wird und eine sehr hohe Erfolgsquote zu verzeichnen hat. Dass die Sorge um Wohnraum auch heute dringlich sei, kann die St. Pöltner Vizebürgermeisterin Susanne Kysela bestätigen. Vor zwei jahren hat die Stadtgemeinde dem verein Wohnen die Gebäude übergeben und hoffe, dass sie für "zeitgemäßes Wohnen für Menschen mit geringem Einkommen" im Sinne der Intention des Bürgerspitals weitergeführt werden.
Landesrätin Petra Boguslav sieht im verein Wohnen ein "wichtiges Segment im sozialen Netz" und Landesrat Wolfgang Sobotka betont, dass es in Niederösterreich künftig niemanden geben dürfe, der kein Dach über dem Kopf habe. Spontan bot er sich an, einen Tag lang im kommenden Mai mit einer Arbeitsgruppe und als Zeichen seiner Solidarität am Bau mitzuarbeiten. Dompfarrer Norbert Burmettler, der anschließend die Segnung der Baustelle vornahm, bot ebenso spontan seine Mithilfe an dieser Aktion an.