Verborgene Schätze in Buchrücken

Das Forschungsprojekt "Hebräische Handschriften und Fragmente in österreichischen Bibliotheken" präsentierte Univ.-Doz. Dr. Martha Keil vom Institut für jüdische Geschichte in Österreich am Tag des Judentums am 17. Jänner in der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten.

Zahlreiche mittelalterliche hebräische Handschriften seien im Zuge von Judenverfolgungen und Vertreibungen über Händler als "Recyclingpapier" in verschiedene Bibliotheken gelangt, erklärte Dr. Keil. Diese Schätze der Forschung finden sich als Verstärkung von Buchrücken und Einbänden, als Vorsatz- und Nachsatzblätter sowie als Falze in anderen, damals neu gebundenen Büchern.

Die Texte auf den Pergamentfragmenten seien wertvolle Zeugen für die Erforschung der jüdischen Geschichte in Österreich, betonte Keil. Ein Großteil der Funde stammt aus den 20er und 30er-Jahren des 15. Jahrhunderts, einer Zeit, in der ein Großteil der jüdischen Gemeinden in Wien und Niederösterreich durch Ermordung und Vertreibung ausgelöscht wurde.

In 52 Beständen wurden bis jetzt über zweitausend Fragmente entdeckt und über 900 bereits wissenschaftlich ausgewertet und publiziert. 40% der Texte sind Fragmente des Tanach (der jüdischen Bibel) oder von Bibelkommentaren, davon wieder 75% Toratexte. Bei weiteren 40% handelt es sich um Fragmente aus dem Talmud sowie des Midrasch (Auslegung). Jeweils 10% der Fragmente sind liturgische Texte und Urkunden.

Bild: Pergament mit hebräischer Handschrift als Einband des Matrikenbuches der Pfarre Abstetten aus dem Jahre 1624, Stiftsbibliothek Melk.

Weblink: Hebräische Handschriften und Fragmente in österreichischen Bibliotheken