"Unvollendetes" Sozialwort der Kirchen soll herausfordern

"Es ist ein unvollendetes Dokument, das herausfordern soll, quasi unter dem Motto 'und was sagst du dazu' ". Das sagte Dr. Paloma Fernandez de la Hoz von der Katholischen Sozialakademie Österreich bei einem Vortrag anlässlich des alljährlich stattfindenden "Ökumenischen Abends" im Stift Herzogenburg. Das gemeinsame Sozialwort der der 14 christlichen Kirchen in Österreich wäre nicht als geschlossener Kreis, sondern als Projekt zu sehen, als "Einladung an die Christinnen und Christen, diese Welt in Hoffnung offen zu halten für die Zukunft Gottes", so Fernandez de la Hoz. "Die Idee, die zu Grunde liegt, ist, dass die enthaltenen Reflexionen in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Wenn das die Leute beschäftigt, haben wir unser Ziel erreicht", meinte die Referentin.

Klare Sprache

Das ökumenische Sozialwort zeichne sich durch eine sehr einfache, direkte Sprache aus. Von den Kirchen werde auch klar gesagt: "Wir waren nicht immer einer Meinung". Im Text würden eindeutige Feststellungen getroffen, wie "Europa braucht eine gezielte Einwanderungspolitik", "Das Christentum ist eine Wurzel Europas" oder "Bildung ist mehr als Wissen" die aber auch Raum für verschiedene Überlegungen offen ließen, sagte Fernandez de la Hoz.

Durch viele Überschriften habe man versucht den Text prägnant zu machen. Verwendet würden auch Ausdrücke aus der Bibel wie "die Kultur der Gastfreundschaft" oder "Stimme der Stimmlosen sein". In diesem Zusammenhang meinte Fernandez de la Hoz, es wäre wichtig, nicht einzelne solcher Zitate aus dem Kontext heraus zu holen, weil sonst nicht die komplette Meinung der Kirchen transportiert werde.

Ermutigung und Aufgabe

Die einleitende Feststellung des Sozialwortes "unsere Zeit ist Gottes Zeit" wäre Ermutigung und Aufgabe zugleich sagte Fernandez. Die soziale Verantwortung aus dem Glauben heraus werde betont, das "Prinzip der Menschenwürde" in den Mittelpunkt gestellt. Als "Schlüssel zur Entwicklung von Menschen" würde gleich zu Beginn das "Menschenrecht auf Bildung" eingefordert, wobei "Bildung mehr als Wissen" wäre und "nie auf die unmittelbare Rentabilität reduziert" werden könne, sprach die Referentin stellvertretend einen der Schwerpunkte des ökumenischen Sozialwortes an.

Die christlichen Konsequenzen ziehen

Dreifache Aufgabe der Kirchen wäre laut ökumenischen Sozialwort, sich in sozialen Projekten und Initiativen zu engagieren, dabei die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen zu suchen, sowie Forderungen an soziale und politisch verantwortliche Instanzen zu richten. Fernandez de la Hoz: "Das Sozialwort ist eine Einladung zur Auseinandersetzung, um die christlichen Konsequenzen daraus zu ziehen. Wer Christ oder Christin ist, soll sich auf den Weg machen mit anderen, sich nicht scheuen vor Konflikt, Suche und Wort in der Öffentlichkeit. Dabei ist es aber wichtig, dass wir auf eine Weise reden, wo immer der Respekt vor dem anderen gewahrt bleibt."


Dr. Paloma Fernandez de la Hoz wirkte selbst am vierjährigen Entstehungsprozess für das ökumenische Sozialwort mit. Bei der Auswertung der Fragebögen, die von über 500 kirchlichen Initiativen, Gruppen und Gemeinden ausgefüllt worden waren und die Grundlage für die Ausführungen im Sozialwort darstellten, war sie für Fragen der Migration zuständig.

Link:Das Sozialwort des Ökumenischen Rates
der Kirchen in Österreich im Internet.