"Unterscheidung zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben ist Anmaßung!"

Wenn behindertes menschliches Leben als Schadensfall dargestellt werde, so sei das ein fatales Signal in die falsche Richtung, sagte heute der in der österreichischen Bischofskonferenz für Bioethik- und Familienfragen zuständige Bischof Klaus Küng. Allein Gott sei Richter über Leben und Tod. Die Menschen dürften sich nicht anmaßen über lebenswertes oder lebensunwertes Leben zu entscheiden. Vielmehr gelte es, den Beistand für jene zu intensivieren, die sich um die Behinderten und Schwachen am Rande unserer Gesellschaft annehmen.

"Wir sind alle mit Mängeln behaftete Menschen. Jeder hat von seiner Konstitution her Talente, aber auch Defizite", warnt Bischof Küng davor, menschliche Maßstäbe zu setzen, wann ein ungeborener Mensch leben darf und wann nicht. "Als Christ kann die Antwort, egal ob die vorgeburtliche Untersuchung im Mutterleib ein normal entwickeltes Kind bescheinigt oder nicht, nur ein JA zum Leben sein!", stellte der Bischof klar.

Es dürfe nicht so weit kommen, dass Eltern unter Druck geraten - weder finanziell noch psychisch - , weil sie ein behindertes Kind haben, sodass sie sich womöglich anhören müssten "das wäre ja heute nicht mehr notwendig".

Der jetzt in den Medien aufgegriffene Fall mache deutlich, wie einschneidend sich der Fortschritt der Technik heute auf eine schwangere Frau und ihr Kind auswirkt, sagte Küng. Vorgeburtliche Untersuchungen brächten oft Unsicherheit und Angst mit sich. Dabei wäre es für das Ungeborene im Mutterleib besonders wichtig, eine Atmosphäre der Sicherheit und Geborgenheit zu erfahren. Hilfestellungen im Zuge vorgeburtlicher Diagnosen seien deshalb unerlässlich und im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten auch großzügig zu fördern, appellierte der Bischof an die Politik.

Aufgabe der Ärzte sei es, bestmöglich zu informieren und zu beraten, sagte der Bischof. "Dabei möchte ich die Mediziner aufmuntern, dass sie ihren Patientinnen Mut machen, JA zum Leben zu sagen. Der Facharzt spielt hier erfahrungsgemäß eine entscheidende Rolle", so Küng.