Testphase für neues "Gotteslob" abgeschlossen

In insgesamt 187 Pfarren in den Diözesen Deutschlands und Österreichs wurden Teile eines neuen Gemeinsamen Gebet- und Gesangbuches (GGB) erprobt. Auch vier Pfarren der Diözese St. Pölten testeten vom ersten Adventsonntag bis Ende Mai neue Gesänge, Wortgottesdienste und Feiern der Hauskirche. Seit 2. Juni werden die Ergebnisse der Fragebögen in den diözesanen Kommissionen ausgewertet. Die Publikation eines neuen "Gotteslobes" ist jedoch nicht vor 2012 zu erwarten.

Die Pfarren Krems-St. Veit, Gmünd-Neustadt, Hainfeld und Behamberg wurden ausgewählt, die verschiedenen Teile der Probepublikation in der pastoralen Praxis zu testen. Die Gemeindemitglieder konnten Texte, Melodien sowie Aufbau und Gestaltung von Liedern, Antiphonen, Andachten und Wortgottesdienste mittels Einreißzettel bewerten. Verschiedene Gruppen der Pfarre - Einzelpersonen, Familien, Kirchenmusiker und pastoral Verantwortliche - konnten die Probepublikation zusätzlich mittels unterschiedlicher Fragebögen beurteilen. "Die Statistiker bewundern die sensationellen Rücklaufquoten der Befragten", freut sich Mag. Franz Reithner, Kirchenmusikreferent und diözesaner GGB-Verantwortlicher. "Fast alle ausgegebenen Fragebögen wurden retourniert."

Hohe Akzeptanz in den Gemeinden

"Für unsere Pfarre war es sehr spannend, neue Lieder kennen zu lernen und einzuüben", berichtet Dechant P. Paulus Müllner, Pfarrer der Testgemeinde Hainfeld. "In meinen Predigten bin ich jeweils auf den Inhalt jeder Strophe eines neuen Liedes eingegangen, so dass die Gläubigen auch den Sinn und Gehalt der Lieder erfassen konnten. Das wurde als sehr hilfreich angesehen." Mag. Reithner bestätigt, dass "die Arbeit in den Pfarren überwiegend das Interesse für das Singen geweckt hat." Weiters seien dadurch Fragen der Liturgiegestaltung in den Pfarren zum "Thema der öffentlichen Diskussion" gemacht worden. Auch in der Kremser Pfarre St. Veit war die "Akzeptanz der Kirchenbesucher sehr gut", wie Ronald Peter, der Organist der Pfarre betont. "Es haben viele sehr sorgfältig und gewissenhaft mitgemacht." Schwierigkeiten beim Lernen von Liedern habe es keine gegeben, so Peter. Außerdem seien die Lieder "mehrheitlich sehr positiv" bewertet worden. Der Organist bedauert jedoch, dass nicht möglich war, alle vorgesehen Lieder zu testen: "Dazu war die Testphase zu kurz, beziehungsweise die Anzahl der Gesänge zu hoch."

Begeisterung und Skepsis bei mehrstimmigen Liedern

Die "heftigsten Reaktionen", so Reithner, löste das mehrstimmige Singen als Volksgesang aus: "Begeisterung einerseits, weil es viele neue Möglichkeiten eröffnet und unserem harmonisch geprägten Empfinden entgegen kommt; Skepsis andererseits, weil es für viele Menschen völlig neu und sehr schwierig ist." Diese Einschätzung kann P. Paulus Müllner bestätigen: "Mehrstimmige Lieder wurden zwar gut geheißen, jedoch nicht kräftig mitgesungen. Für diese für uns neue Art des Singens braucht es sicher noch eine lange Zeit, bis sie zur Normalität wird. Aber diese Lieder werden als Bereicherung des Gottesdienstes angesehen."

Gut angenommen wurden die Modelle für Tagzeitenliturgie und Andachten, wie Mag. Reithner berichtet, Gregorianik mit der Gemeinde hingegen "eher nicht". In der Pfarre Hainfeld haben sich, so Müllner, Vesper und Ostervesper aus dem GGB "sehr bewährt". Es sei "sehr positiv angemerkt worden, dass alles der Reihe nach abgedruckt ist, auch die Lesung und die Fürbitten". So könnten diese Form des Gottesdienstes auch Laien ohne Probleme durchführen.

Neues "Gotteslob" nicht vor 2012

Nach Auswertung der Testergebnisse werde die Endredaktion vorgenommen, erklärt Kirchenmusikreferent Reithner. Auch der Österreichteil des neuen "Gotteslobes" werde noch "inhaltlich und vom Umfang her" abgestimmt. Weiters müsse die Approbation der neu übersetzten liturgischen Texte und der neuen Bibelübersetzung abgewartet und "die Kommentare aller Bischöfe eingeholt" eingeholt werden. "Dann dauert es noch ein volles Jahr, bis das erste Exemplar die Druckerei verlassen kann", meint Reithner. "Ich würde sagen, nicht vor 2012."