"Taub von der Arbeit und blind fürs Leben"

"Lebenswert leben können" - unter diesem Motto stand die Barbarafeier der Betriebsseelsorge Unteres Traisental am 9. Dezember im Augustinussaal des Stiftes Herzogenburg. Zahlreiche Menschen seien durch den ständigen Leistungsdruck, dem sie im Betrieb ausgesetzt seien, "taub von der Arbeit und blind für das Leben" geworden, stellten die Mitarbeiter der Betriebsseelsorge fest. Menschen haben immer ihren Wert - egal was passiert. Dies stellten die Mitarbeiter der Betriebsseelsorge Herzogenburg in der Einleitung fest. Doch in der Praxis sehe es oft anders aus: Menschen die krank sind, die mit dem Leistungsdruck nicht mithalten können, die arbeitslos sind, werden von vielen abgeschrieben. Menschen müssen sich immer mehr dem Arbeitsruck unterwerfen, werden getreten, werden überflüssig. All diese Erfahrungen und Ängste haben Betriebsräte, Arbeiterinnen und Arbeiter bei der besinnlichen Feier angesprochen. "Es ist unverständlich, dass bis zum 65.Lebensjahr die Arbeitsfähigkeit bescheinigt wird, aber mit 45 Jahren kaum noch die Chance besteht, eine Arbeit zu bekommen". Viele Menschen seien durch den ständigen Leistungsdruck "taub von der Arbeit und blind für das Leben" geworden. Sie brauchen neue Hoffnung und Zuversicht.

An einigen Beispielen führte die Betriebsseelsorge die Situation einzelner Menschen drastisch vor Augen und zeigte manche negativen Auswirkungen der "freien Dienstnehmerverträge" auf. Es sei "unverantwortlich einen derartigen Arbeitsvertrag anzunehmen, aber noch unverantwortlicher ist es, derartige Verträge anzubieten", hieß es in Bezug auf ein reales Beispiel, bei dem eine Arbeitnehmerin und alleinerziehende Mutter trotz fixer Arbeitsstelle immer noch weit unter der Armutsgrenze liegt.
Über eine Million Menschen fallen in Österreich, dem drittreichsten Land Europas, immer noch unter die Armutsgrenze. Die Hälfte von ihnen habe "keine Chance mehr", aus dieser Situation auszubrechen und 250.000 von ihnen stecken trotz einer fixen Arbeitsstelle weiterhin in der Armutsfalle.
Diese Situation zu verbessern, spricht sich die Betriebsseelsorge für das von der Katholischen Sozialakademie vorgeschlagene Grundeinkommen aus.

Nach der Lesung aus der Bibel und besinnlichen Worten des Betriebsseelsorgers Mag. Sepp Gaupmann gedachten die Anwesenden der in diesem Jahr Verstorbenen aus den Betrieben im Unteren Traisental und hefteten deren Namen zum Gedenken an ein Kreuz.