Sternsinger wandern drei Mal um die Erde

Wenn die 12.500 Sternsinger vom 27. Dezember bis 6. Jänner (Weihnachten und Dreikönig) in der Diözese St. Pölten unterwegs sind, werden sie gemeinsam etwa 120.000 Kilometer zurücklegen. Dies ist eine Strecke, die drei Mal um den Erdkreis führt. Dabei sammeln sie Spenden für Hilfsprojekte in den Ländern des Südens.


Bei ihren Besuchen von Haus zu Haus, bringen die 12.500 Kinder Segen in die Häuser und bitten um eine Spende für die Mitmenschen in den Ländern des Südens. Auch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit mehr als 1.000.000 € tragen die St. Pöltner Sternsinger zur gesamtösterreichischen Spendensumme von knapp 14.000.000 € bei. Damit werden jährlich etwa 500 Projekte in Asien, Afrika und Lateinamerika unterstützt.
Schwerpunktland ist diesmal Brasilien. Dort ist vor allem das Überleben der Indio-Völker im Amazonasgebiet bedroht. Holzkonzerne roden skrupellos den Regenwald, Staudämme werden gebaut und Soja für den Export gepflanzt. Im Nordosten Brasiliens leidet die Bevölkerung an Mangelerkrankungen und Arbeitslosigkeit, Die Slums wachsen. Durch Schule und Ausbildung soll die Abwanderung vom Land in die Slums verhindert werden.


Die Indianerpastoral der Katholischen Kirche CIMI (mit dem aus Österreich stammenden Bischof Erwin Kräutler als Vorsitzenden) engagiert sich für die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung. Gemeinsam mit den Indios versuchen Rechtsanwälte von CIMI, die Landrechte durchzusetzen und die Betroffenen im Kontakten mit offiziellen Stellen zu unterstützen und zu beraten. Darüber hinaus fördert CIMI die Selbstversorgung der Indios, leistet Gesundheitshilfe und bietet Schulungsprogramme an. Durch Öffentlichkeitsarbeit will CIMI der ablehnenden Haltung vieler Brasilianer/innen und dem Unwissen über das Leben der Indianervölker entgegentreten.


onderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass die Indigenen selbst über ihre eigene kulturelle und religiöse Identität und über ihre Zukunft entscheiden können. Die Dreikönigsaktion unterstützt speziell die Zuruahá- und Pirahá-Indios: Besonders aktuell ist die rechtliche Absicherung ihres Lebensraumes, um sich gegen die Vertreibung wehren zu können. Neben dem Jagen, Fischen und Früchtesammeln wird die wirtschaftliche Eigenversorgung mit Neuerungen in der Landwirtschaft gestärkt, z.B. mit dem Anbau von Paránüssen. Gegen eingeschleppte Krankheiten ist medizinische Betreuung notwendig, dabei werden aber auch die traditionellen Heilformen integriert.


Lebendiges Brauchtum der Gegenwart


Die drei Weisen aus dem Morgenland waren wahrscheinlich Sterndeuter am Hof in Mesopotamien. Ihren astronomischen Berechnungen nach erwarteten sie ein Heilsereignis mit Bedeutung für alle Völker der Erde. Daher folgten sie dem Stern bis zu dem Stall, in dem Jesus geboren wurde. In frühen Darstellungen wurden zwei bis zehn "Magier aus dem Osten" abgebildet. Der Kirchenvater Origines sprach dann ein Machtwort: Es waren drei Gaben, also auch drei Überbringer.
Caspar ("Schatzmeister"), Melchior ("Mein König ist Licht") und Balthasar ("Schütze sein Leben") wurden erst im 5. Jahrhundert durch die Überlieferung zu den "Heiligen Drei Königen". Jeder von ihnen stand für einen der damals bekannten Erdteile (Afrika, Asien und Europa) bzw. für das Jünglings-, Mannes- und Greisenalter. Der Überlieferung nach ist Caspar der schwarze, Balthasar der gelbe und Melchior der weiße König.


Die Gaben der Heiligen Drei zählten damals zu den kostbarsten Handelsgütern. Weihrauch und Myrrhe sind wohlriechende Harze, die ausschließlich in den Bergregionen Südarabiens, Somalias und Abessiniens gewonnen wurden. Weihrauch und Myrrhe wurden seit dem fünften Jahrtausend im Orient bei kultischen Handlungen verwendet, der aufsteigende Rauch symbolisierte die Gebete zu den Göttern.


20 C+M+B 08 schreiben die Sternsinger mit geweihter Kreide an die Tür. Es bedeutet "Christus mansionem benedicat", übersetzt "Christus segnet dieses Haus". Die drei Kreuze stehen für die Dreifaltigkeit. Früher galt der Dreikönigssegen als Schutz gegen Zauberei, geweihtes Dreikönigswasser wurde gegen Krankheiten verabreicht und auf die Felder gesprengt.


Die Jungschar hat 1955 den Brauch des Sternsingens übernommen und mit aktueller Bedeutung versehen: Weihnachten ist das Fest des Friedens, es verheißt das friedliche Zusammenleben der Menschen. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, die Menschheit als große Familie zu sehen, in der jeder ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben hat. Eine Spende an die Sternsingeraktion bedeutet also, anderen Menschen, die in tiefer Not sind, zu neuem Leben zu verhelfen, ihnen Lebenschancen zu eröffnen.


Am 12. Jänner sind über 400 Sternsinger von 10 bis 16 Uhr als kleines Dankeschön zu einem Treffen in die Jahnturnhalle St. Pölten geladen. Weihbischof Dr. Anton Leichtfried wird den Sternsingern einen Besuch abstatten.