November
Weingarten
Bischof Alois Schwarz im Radio NÖ Interview
 
 

Stellungnahme zum Buch „Der Wahrheit die Ehre“

In einem umstrittenen Buch „Der Wahrheit die Ehre“, herausgegeben von Reinhard Dörner, sowie in mehreren Artikeln der Monatszeitung „Der 13.“ wird neben anderen völlig aus der Luft gegriffenen Unterstellungen immer wieder behauptet, der ehemalige Apostolische Visitator und jetzige St. Pöltner Diözesanbischof DDr. Klaus Küng habe in Zusammenhang mit der Aufklärung der Vorkommnisse im Priesterseminar im Jahr 2004 stets die Absetzung von Bischof Dr. Kurt Krenn als Ziel gehabt.
Im Folgenden die Stellungnahme von Bischof DDr. Klaus Küng zu den im erwähnten Buch aufgestellten Behauptungen:

1. Das Buch "Der Wahrheit die Ehre" wird als objektiv angepriesen. Es sei "mit wissenschaftlicher Akribie" verfasst worden, heißt es im Vorwort, aber es enthält unzählige - teils bösartige - Unterstellungen, unbewiesene Behauptungen, nicht wenige die Wirklichkeit teilweise oder zur Gänze entstellende Aussagen. Nach Abschluss der Visitation haben ausführliche Voruntersuchungen stattgefunden. Deren Ergebnisse wurden in dem vom Papst bestätigten Dekret der Kleruskongregation ausdrücklich als hinreichende Grundlage für eine Entscheidung bezeichnet. Das Faktum dieser Voruntersuchung wird in der Darstellung der Autorin fast vollständig verschwiegen; die Ergebnisse sind der Autorin nicht bekannt, da diese Akten aufgrund der gebotenen Diskretion verfahrensfremden Personen nicht zugänglich sind. So musste sie Sachkenntnis durch Vermutungen ersetzen.
Beachtenswert sind auch manche Auslassungen von Zusammenhängen und Fakten, von denen anzunehmen ist, dass sie der Autorin bekannt sind: Sie verschweigt, was für jene Personen nachteilig wäre, die sie verteidigen will, wobei es im Buch nicht um die Verteidigung von Bischof Krenn geht, wie man aus der Aufmachung und vom Buchtitel her vermuten würde. Es geht um die volle Rehabilitierung des früheren Regens Prälat Küchl und des Subregens Dr. Rothe.

2. Grundlage des Visitationsverfahrens waren nicht die Medienberichte, auch nicht die später von den zivilen Instanzen gefällten Gerichtsurteile, sondern die von verschiedenen Personen bezeugten Fakten, die Ergebnisse der polizeilichen Einvernahmen, in die mit Bewilligung des Staatsanwaltes Einblick gewährt wurde, und die Untersuchung der Sachverhalte. Dass später bei dem im Gefolge der Visitation eingeleiteten, auf administrativem Weg durchgeführten Strafverfahren gegen Prälat Küchl und Dr. Rothe außer eigenen Vernehmungen des Voruntersuchungsführers und des Diözesanbischofs auch die Urteile der Zivilgerichte und die Protokolle der entsprechenden Gerichtssitzungen berücksichtigt wurden, ist selbstverständlich.

3. Die von profil und NEWS publizierten und danach in der ganzen Welt bekannt gewordenen Fotos waren - jedenfalls bei der Apostolischen Visitation und in den späteren kirchlichen Strafverfahren - nicht die grundlegenden Beweismittel. Im kirchlichen Verfahren wurde das fotogrammetrische Gutachten (P. Waldhäusl) sehr wohl beachtet und das Ergebnis analysiert: Die in den Medien publizierten Fotos zeigen jedenfalls eine Nähe und Haltungen, die für Amtsträger nicht passend sind.

4. Bei den Darlegungen des sogenannten "Pornographie-Skandals" des St. Pöltener Priesterseminars wird immer wieder verschwiegen, dass es sich bei den in den von der Polizei im Rahmen der Hausdurchsuchung konfiszierten Computern, Fotoapparaten und DVDs gefundenen Abbildungen vorwiegend um homosexuelle Pornographie handelte. Dies ist zwar nach .österreichischem Strafrecht irrelevant, aber trotzdem moralisch verwerflich; außerdem war es ein wichtiger Hinweis auf die bei mehreren damaligen Seminaristen tatsächlich vorliegenden homosexuellen Neigungen. Sehr wohl gab es mehr Zeugen als jene von Frau Dr. Waste erwähnten, es gab auch eindeutige Indizien nicht nur für das Vorliegen einer "homophilen Atmosphäre", sondern auch konkrete Vorfälle. Die Methode, einige in einem Gespräch nebenbei gemachte, aus dem Zusammenhang gerissene Kommentare so darzustellen, als hätte darin die "Untersuchung" bestanden und als wäre dies die Vorstellung des Visitators gewesen, mutet primitiv an.

5. Die Apostolische Visitation erbrachte sehr klare und eindeutig belegte Ergebnisse, die nicht nur durch ein paar Fotos und durch Aussagen einer inszenierten Medienkampagne vorgetäuscht waren. Die Apostolische Visitation hatte auch nicht nur die von den Medien berichteten "Skandale" zum Gegenstand. Es wurden schwerwiegende Mängel und fahrlässige Fehler in der Amtsführung festgestellt, von denen mehrere in der Bildungskongregation schon vorher bekannt und Anlass zu Korrekturen gewesen waren.
Der Bericht der Apostolischen Visitation ist im Sommer 2004 an den Heiligen Vater und die zuständigen Kongregationen ergangen und wurde - auch schriftlich - gutgeheißen.
Die im Gefolge der Visitation getroffenen Maßnahmen wurden in Absprache mit dem Heiligen Stuhl festgelegt. Sie hatten als Ziel, sowohl den guten Ruf der bei den beschuldigten Priester, als auch den guten Ruf der Diözese und der Kirche wiederherzustellen. Leider ist dieses Ziel nicht erreicht worden unter anderem auch deswegen, weil sehr bald der Versuch unternommen wurde, die Vorfälle im Priesterseminar und in der Diözese St. Pölten so umzudeuten, als wäre es nur eine Intrige gewesen. Insofern wurde dann - obwohl dies zunächst nicht vorgesehen war doch die Einleitung eines strafrechtlichen Verfahrens notwendig, das sehr gründlich und unter strikter Einhaltung der Vorschriften des kanonischen Rechtes durchgeführt wurde.

6. Wenn seitens des Visitators den beiden Priestern von Anfang an davon abgeraten wurde, ziviIrechtliche Prozesse gegen NEWS und profil durchzuführen, dann deshalb, weil schon der damalige Informationsstand zur Befürchtung Anlass gab, dass solche Prozesse sowohl für die beiden Priester als auch für die Kirche nur schädlich sein würden. Das hat sich dann auch so bestätigt. Daran ändert auch nicht die im vergangenen Jänner erfolgte Entscheidung des Gerichtes, dass profil und NEWS in Hinkunft solche Fotos nicht mehr veröffentlichen dürfen, da auch in diesem Verfahren das Gericht sehr wohl vom Wahrheitsgehalt der ursprünglich verbreiteten Nachrichten ausgeht. Wenn ich die Bezahlung der Prozesskosten durch die Diözese ablehnte, dann deshalb, a) weil dies nicht üblich ist, vielmehr muss auch in der Kirche jeder Gläubige für seine Verhaltensweise selbst gerade stehen; b) weil die Kosten solcher Prozesse nicht absehbar sind; c) weil ich es für die Kirchenbeitragszahler nicht für zumutbar hielt, diese Prozesskosten zu tragen.

7. Es ist eine falsche Darstellung, den Abschluss des Verfahrens durch die Kleruskongregation mit Approbation des Papstes in forma specifica so zu interpretieren als wäre man einem gründlichen Studium der Materie aus dem Weg gegangen bzw. es lägen keinerlei Beweise vor. In Wirklichkeit geht aus den römischen Dekreten und den mit ihnen verbundenen Begleitbriefen der Kleruskongregation das Gegenteil hervor; das Ziel dieser Approbationsform und Vorgangsweise war zu vermeiden, dass durch ständige Verdrehungen der Tatsachen und durch die unaufhörliche Wiederholung haltloser Behauptungen eine längst überfällige endgültige Entscheidung in den beiden Causen immer weiter hinausgezögert wird. Auch sollte die Gefahr der weiteren Ausbreitung des bereits großen Schadens für die Kirche insgesamt und für die beiden Priester gebannt werden.

St. Pölten, im Juli 2008
+ Klaus Küng e.h.

Eine ergänzende Stellungnahme von Bischof DDr. Klaus Küng folgte im September nach weiteren unbewiesenen und frei erfundenen Behauptungen.

In meiner Stellungnahme vom Juli 08 ist an sich bereits alles enthalten, um sich ein objektives Urteil bilden zu können. Da aber "Der 13." und manche Personen in seinem Umfeld insistieren, möchte ich exemplarisch einige Punkte aufzeigen, die meine Stellungnahme verdeutlichen.

1. Es ist absurd anzunehmen, dass Kardinal Schönborn direkt oder indirekt eine Intrige gegen Bischof Krenn gestartet und Kardinal Re die Zustimmung gegeben oder vielleicht selbst die Idee entwickelt habe, den "Skandal von St. Pölten" ins Rollen zu bringen, und dass Nuntius Zur die Drehscheibe gewesen sei. Wahr ist vielmehr, dass es bezüglich des Priesterseminars St. Pölten schon seit längerem Sorgen gab und zwar nicht nur seitens Kardinal Schönborns, sondern auch der zuständigen Bildungskongregation: Im Herbst 2003 war ein Seminarist gestorben - wer seine Geschichte kennt, ist beeindruckt und fragt sich, was hier wohl passiert ist, dass jemand, der von mehreren Stellen wegen mangelnder Eignung zum geistlichen Beruf abgewiesen worden war, im Seminar St. Pölten mit offenen Armen aufgenommen wurde. Als es Schwierigkeiten gab, sollte der Betroffene ohne Rücksicht auf seine persönliche Situation unverzüglich das Seminar verlassen, was auch mit aller Härte durchgesetzt wurde. Durch den Besuch eines Mitarbeiters der Bildungskongregation wurde dann bekannt, dass die im Seminar angewandten Aufnahmekriterien problematisch waren. Das führte dazu, dass die Kongregation umgehend eine Änderung dieser Praxis forderte. Dieses Ziel hatte auch jenes Gespräch in der Kongregation mit Bischof Krenn im Frühjahr 2004, von dem "Der 13." im Jahr 2006 so berichtete, als wäre damals Bischof Krenn mit einer Fülle ungerechter Beschuldigungen überschüttet worden. Wegen der Internetaffäre mit Kinderpornographie (November 2003) - vom Bischof selbst der Sicherheitsdirektion gemeldet - waren einige Monate später ausführliche Befragungen der Seminaristen durch die Kriminalpolizei und schließlich eine Hausdurchsuchung mit Konfiszierung von 8 Computern und anderen Materialien (DVD's, Fotoapparate, Videos) durchgeführt worden. Dass dann das Auftauchen der später in der Presse verbreiteten Fotos höchsten Alarm auslöste und dazu führte, dass über die Nuntiatur die zuständigen Stellen des Heiligen Stuhls benachrichtigt wurden, ist selbstverständlich. Das ist keine Intrige, sondern Wahrnehmung der Verantwortung.

2. Mit aller Deutlichkeit muss ich den Vorwurf zurückweisen, dass von mir in der Apostolischen Visitation praktisch keine Untersuchungen durchgeführt worden seien. Insgesamt führte ich mehr als 120 Gespräche und sorgte dafür, dass umfangreiches Beweismaterial gesichert wurde. Eine Apostolische Visitation hat rechtlich in der Tat den Charakter einer Voruntersuchung. Auch mir wäre es lieber gewesen, ich hätte im Seminar keine realen Probleme vorgefunden. Leider war dem nicht so. Die Probleme waren derart, dass der Beschluss, das Seminar vorläufig zu schließen, um einen echten Neuanfang zu ermöglichen, auch aus heutiger Sicht notwendig und völlig richtig war.

3. Nach Abschluss der Apostolischen Visitation wurden etwas mehr als ein Jahr später - es gibt präzise Gründe, warum dies so geschah - von einem durch mich beauftragten, nicht befangenen Kanonisten weitere ausführliche Voruntersuchungen unabhängig von mir durchgeführt. Sie hatten das Ziel, die Ergebnisse der Befragungen während der Visitation nochmals objektiv zu prüfen und zu ergänzen.
Diese Untersuchungen waren sehr mühsam und langwierig: Ein wesentlicher Grund dafür war, dass jeder, der sich an der Untersuchung aktiv beteiligte (durch Mitwirkung oder Aussagen) damit rechnen musste, durch Publikationen des "Der 13." desavouiert und attackiert zu werden. In Bezug auf meine Person wurde ab dem Zeitpunkt der Apostolischen Visitation alles versucht, um mich anzuschwärzen und für inkompetent zu erklären. Die Absicht dieser Vorgangsweise ist leicht erkennbar, die Methode hinterhältig.

4. Wenn jetzt von Dr. Engelmann angedeutet wird, Bischof Krenn werde auf Veranlassung von mir mit Psychopharmaka "ruhiggestellt" und befinde sich praktisch unter Hausarrest, dann erreichen die Verfolgungsphantasien einen weiteren Höhepunkt. Sie sind wirklich abwegig. Es zeigt sich, wie weit eine Verblendung führen kann. Bischof Krenn wird seit mehreren Jahren von einem angesehenen Arzt - einem Universitätsprofessor - betreut und empfängt in seiner Wohnung wie jeder andere die Leute, die er möchte. Allerdings ist es jetzt wegen seiner Krankheit nur mehr ein kleiner, mit ihm eng vertrauter Personenkreis. Wenn Bischof Krenn nicht wünscht, dass Dr. Engelmann zu ihm kommt, so hat das auch etwas zu bedeuten.

Jedem, der mithilft, der in gewissen Kreisen sich ausbreitenden Unvernunft in Bezug auf die dargestellten Fragen Einhalt zu gebieten, bin ich dankbar. Es ist mir ein Anliegen, dass die Darstellung und Beurteilung der Vorfälle in der Vergangenheit auf dem Boden jener Wirklichkeit bleiben, wie sie von mir als Visitator festgestellt und dokumentiert werden musste.

St. Pölten, im September 2008