Staikos: Ökumene unerlässliche Verpflichtung aller Christen

Die Einheit gehöre zum Wesensmerkmal der Kirche, sagte der Griechisch-Orthodoxe Metropolit Erzbischof Michael Staikos Donnerstagabend bei einer Veranstaltung des Forum XXIII in St. Pölten. Jesu Fürbitte für alle Glaubenden in seinem Abschiedsgebet "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein . . . (Joh. 17,21) wäre als Aufforderung zu verstehen: "Die Ökumene ist eine unerlässliche Verpflichtung aller Christen". Die Orthodoxe Kirche arbeite sehr intensiv an ökumenischen Bemühungen, so der Metropolit. Als positives Vorbild könne die Kirche im ersten Jahrtausend nach Christus dienen. Anliegen wäre nicht die Uniformierung der gesamten christlichen Welt, sondern die Vielfalt in der Einheit.


"Johannes Paul II. hat viel für Ökumene geleistet"


"In Zukunft müssen Wege gefunden werden, die verlorene Einheit wieder herzustellen" sagte Erzbischof Michael Staikos. Obwohl oft die Meinung geäußert werde, dass die Ökumene stagniere, sei festzuhalten, dass der heutige Papst Johannes Paul II. sehr viel für die Ökumene geleistet habe. Es wäre beachtlich, dass dieser in Dokumenten mit seiner Unterschrift dazu einlade, sich mit der Rolle des Papsttums - dem größten ökumenischen Problem zwischen Römisch-Kath. Kirche und Orthodoxie - auseinander zu setzen. Die ökumenische Enzyklika "ut unum sint" aus dem Jahre 1995 bezeichnete Staikos als "Meilenstein". "Was man selten hört ist Dankbarkeit Gott gegenüber, dass wir große Fortschritte gemacht haben", sah der Griechisch-Orthodoxe Metropolit die Entwicklung sehr positiv.


Unterschiede Papsttum und Synodalität


Als Unterschiede zwischen Orthodoxie und Katholizismus hob Staikos das Papsttum und die Haltung der Kirchen gegenüber der Synodalität hervor: "Die Stellung des Bischofs von Rom hat niemals Verständnis in der orthodoxen Welt gefunden. Wir anerkennen den Bischof in Rom als ersten Bischof der Christenheit, aber im Sinne des ersten Jahrtausends." - Der Bischof von Rom habe zwar die "Stellung des ersten Bischofs", aber "nicht des höchsten". Die Haltung der Orthodoxie gegenüber Synodalität und Ausdrucksfreiheit wäre konträr: "Höchste Instanz und Unfehlbarkeit gibt es nur bei einer Synode."


Sakramente in Ausführung verschieden


Die sieben Sakramente wären in den Orthodoxen Kirchen dieselben, wie jene der Römisch-Katholischen Kirche, wenn auch in Praxis und Ausführung verschieden, sagte Staikos. Die Aussage, dass in der orthodoxen Kirche Priester heiraten dürften, wäre falsch: Verheiratete Männer dürften zu Diakonen oder Priestern geweiht werden. Weitere Unterschiede: Zur Eucharistiefeier wird von Orthodoxen Kirchen ausschließlich gesäuertes Brot genommen. Die Ehe gilt grundsätzlich als unauflöslich. Es gibt aber die Möglichkeit der Scheidung, "wenn die Kirche sieht, dass die Ehe nicht mehr dazu dient, wozu sie geschlossen wurde" (Zit. Staikos). Eine zweite und eine dritte kirchliche Eheschließung wären möglich - zwar als Notlösungen - jedoch hätten diese vollen sakramentalen Charakter. Ein Priester, dessen Frau stirbt, oder ihn verlässt, habe aber nicht die Möglichkeit ein zweites Mal zu heiraten. - "Leider ist die Kirche noch ohnmächtig, in dieser Situation einzugreifen", so Staikos.