St. Pöltner Theologen erkundeten Israel

Allgegenwärtig wurde der Nahost-Konflikt den 26 Theologiestudenten und Begleitern aus der Diözese St. Pölten, die zehn Tage lang das Heilige Land bereisten. Vom See Gennesaret über Jerusalem bis zum Toten Meer. Derzeit ist es sicher. Bereits im Februar für die St. Pöltner Diözesanwallfahrt ins heilige Land. Ein Hoffnungszeichen für die im Palästinensergebiet lebenden Christen. Jeder Konflikt kennt zwei Sichtweisen. Jüdische Israelis beklagen andauernden Terror durch Palästinenser: etwa den jahrelangen Raketenbeschuss durch die Hamas vom Gaza-Streifen auf die Stadt Sderot. Palästinensern wird das Leben durch eine "Sicherheitsmauer" erschwert. Um zu verhindern, dass Selbstmordattentäter sich in die Luft sprengen, baute Israel den Schutzwall. Nicht ohne Eingliederung von großen Teilen des Westjordanlandes.
Bauern wurden von ihren Feldern getrennt, Familien zerrissen. Dabei kann das Zusammenleben zwischen Juden und Arabern auch funktionieren. In Galiläa im Gebiet um den See Genezareth leben Christen, Juden, Muslime friedlich zusammen. Nach der Devise "Wo ist das Problem?" kaufen Juden bei Arabern und Araber bei Juden. Dennoch ist auch in den sicheren Gebieten der Sicherheitsgedanke vorrangig: Beim Buffet im Hotel stellen sich junge Israelis mit Sturmgewehren an. Überall laufen junge Soldaten herum. Armeeposten behindern den Verkehr wie Ampeln.

Pionierleistung Israel

Israel kämpft dauernd um seine Existenz, muss Stärke zeigen. Das Holocaust-Museum Yad Vashem erinnert an das, was Juden erlitten. Das jüdische Herz schlägt für den jüdischen Staat und seine Sicherheit. Und fürs Leben. Die Jugend tanzt und feiert lebenslustig in die Nacht hinein. Jüdische Hochzeiten und Sabbat-Feierlichkeiten sind filmreif. Dabei wurde den Juden nichts geschenkt. Dort wo sich heute fruchtbare Felder erstrecken, war einst Sumpf und tötete die ersten Pioniere mit Malaria. Aus der Wüste wurden kleine Paradiese geschaffen. Daneben Hightech: Männliche Israelis müssen einen dreijährigen Wehrdienst absolvieren, Frauen sind zwei Jahre beim Heer. Dabei übernimmt die Jugend Verantwortung für millionenschweres Gerät. Später sind sie bereit, in der Industrie Innovatives zu leisten.

Niemand kann sich derzeit eine Lösung des Konflikts vorstellen. Wie soll ein Palästinenser-Staat entstehen, der ein Fleckerlteppich ist? Über sieben Millionen Menschen leben in dem geschichts- und gottesträchtigen Land, das so groß wie Niederösterreich ist. Scheinbar mühelos integrierte das Land in den letzten zehn Jahren 1,5 Millionen jüdisch-russische Einwanderer. Tausende Palästinenser, die in den Kriegen von 1948, 1967 und 1973 flohen oder vertrieben wurden, können dagegen nicht zurück nach Israel. Oft leben sie in Flüchtlingslagern im Westjordanland, im Libanon, in Jordanien.

Israel verzaubert durch atemberaubende Schönheit. Wer hat schon die Möglichkeit, am Golan Ski zu fahren, drei Stunden später im Toten Meer zu baden und am Abend in Jerusalem fein zu speisen? Und auf wenigen Quadratkilometern werden die biblischen Erzählungen zu Leben erweckt.

Endzeit in Jerusalem

Auf dem Tempelberg zu Jerusalem wird sich einst das Schicksal der Menschheit entscheiden. Christen, Juden, Muslime erwarten dort den endzeitlichen Messias. Nach ihren je eigenen Vorstellungen beanspruchen die drei Weltreligionen die Wahrheit je für sich. Wer am Tempelberg am mühsam geflickten Kompromiss rüttelt, wer einen Quadratmeter mehr für sich in Anspruch nimmt, spielt mit dem Weltfrieden. Christliche Fundamentalisten können die Endzeit gar nicht mehr erwarten und proben des öfteren den Sturm. Jüdische Fundamentalisten wollen einen dritten Tempel bauen, wo einst der erste und zweite gestanden sind. Davor müssen zuerst noch die al-Aqsa-Moschee und der Felsendom zerstört werden. Muslimische Fundamentalisten begehen das archäologische Verbrechen und vernichten die Überbleibsel des Tempels, der einst von Jesus aufgesucht wurde. Dabei lehrt doch jede Religion den Frieden. Eine bittere Lektion für die Theologen aus der Diözese.

Die Teilnehmer, die jetzt offiziell als Jerusalem-Pilger ausgezeichnet sind, konnten ein Land der Vielfalt kennen lernen, das trotz aller Probleme funktioniert. Im derzeitigen "Friedensfenster" bekamen die Theologen bei der hervorragend organisierten Reise ein Land vor Augen, in dem Jesus lebte und wirkte. Das Lesen der biblischen Erzählungen von Jesus an den historischen Stätten machte die Heilige Schrift damit noch lebendiger.

Wolfgang Zarl