St. Pölten barrierefrei bis 2010

"Wer ist denn nicht in irgendeinem Bereich behindert?", fragte Diözesanbischof DDr. Klaus Küng bei einer Veranstaltung von "St. Pölten barrierefrei 2010", einem gemeinsamen Projekt von "Club 81 - Club für Behinderte und Nichtbehinderte", Bildungshaus St. Hippolyt und dem Katholischen Bildungswerk der Diözese St. Pölten. So sei dieses Projekt für alle Menschen relevant und "der Kirche naturgemäß ein ganz großes Anliegen", betonte Küng.

"Die Landeshauptstadt menschengerechter zu machen, das war und ist das Ziel, welches wir uns bei der Gründung 1981 gesetzt haben", erklärte Josef Schoisengeyer vom Club 81 in St. Pölten, der sich für die Integration behinderter Menschen einsetzt. Doch nicht nur Behinderte, sondern auch Familien und alte Menschen sind durch zahlreiche kleinere und große Barrieren am Zugang zu unterschiedlichen Einrichtungen des öffentlichen und privaten Lebens ausgeschlossen. "Die Menschen werden heute älter, so entstehen neue Probleme für eine größere Anzahl von Menschen", gab Bischof Küng zu bedenken. "Mit den Schwierigkeiten, die wir haben, wollen wir einen Weg finden zu einem erfüllten und fruchtbaren Leben." In den letzten 20 Jahren sei bereits viel geschehen, um St. Pölten barrierfrei zu machen, was für Küng "ein Ansporn ist, auf diesem Weg weiter zu gehen".

Special Olympics 2010 als Ansporn

Neben baulichen Maßnahmen sei es wichtig, Bewusstsein zu schaffen, betonte Landtagsabgeordneter Dr. Martin Michalitsch. Deswegen sei die Beteiligung der Kirche an diesem Projekt wichtig: "Christentum muss man in der Gesellschaft auch spüren," so Michalitsch. Ebenso unterstrich der Bürgermeister von St. Pölten, Mag. Matthias Stadler, die Notwendigkeit, "auch in den Köpfen Barrieren abzubauen". Ein großer Ansporn dafür ist für Stadler die Abhaltung der Special Olympics in St. Pölten im Jahr 2010. Die Landeshauptstadt bis 2010 barrierefrei zu gestalten, sei "eine große Herausforderung", so der St. Pöltner Bürgermeister: "Ich würde es mir wünschen, aber so ein Projekt ist in einer Stadt nie abgeschlossen." Großprojekte wie der Um- und Neubau des Hauptbahnhofs seien immer eine "Herausforderung und Ermutigung".

Barrierefreiheit auch eine Frage der Menschenrechte

Barrieren seien nicht nur eine Behinderung für viele Menschen, sondern auch eine Frage der Menschenrechte, gab die Architektin DI Monika-Anna Klenovec vom Projekt "design for all" zu bedenken. "Die Menschenrechte auf Freiheit, Arbeit, Bildung, Urlaub und Erholung sind oft stark eingeschränkt." Davon seien zahlreiche Bevölkerungsgruppen betroffen: nicht nur der "klassische Rollstuhlfahrer, an den man sofort denkt", sondern auch andere Bewegungsbehinderte, weiters Hör- und Sehbehinderte, alte Menschen, Kinder, Kleinwüchsige, Eltern mit Säuglingen oder Kleinkindern sowie durch Unfall, Krankheit oder Schwangerschaft "temporär behinderte" Menschen. "Jeder Mensch ist irgendwann in seinem Leben davon betroffen", so Klenovec. Barrierefreie Umgebungen, Produkte und Dienstleistungen ermöglichten die Umsetzung der Menschenrechte für alle und verhindere Diskriminierung.
Dem Team "design for all" gehören auch die Informationsdesignerin Veronika Egger, die Tischlerei Andexlinger und die Firma Mechatron, die technische Hilfsmittel für Behinderte herstellt, an.

Foto: Diözesanbischof DDr. Klaus Küng mit Dr. Doris Kloimstein vom Katholischen Bildungswerk der Diözese St. Pölten