Spirituell leben heute

"Spirituell leben heute" hat das Kath. Bildungswerk der Diözese St. Pölten über seine Jahrestagung geschrieben, die diesmal am 2. April im Pfarrheim von Purgstall an der Erlauf stattfand. Etwa 150 Bildungswerkleiter aus den Pfarren der Diözese nahmen daran teil. Diözesanbischof DDr. Klaus Küng meinte in seinen einleitenden Worten, dass es heute weithin der Wunsch vieler Menschen sei, spirituell zu leben. Das Grundanliegen dabei sei die Entdeckung Gottes, seiner Nähe, Güte und Barmherzigkeit, unterstrich er. Eng damit verbunden sei ein zweites Thema, nämlich die Sinnfindung im eigenen Leben, die Entdeckung der eigenen Berufung. Damit würden auch große gesellschaftspolitische Fragen zusammenhängen, wies der Bischof hin, etwa die Unantastbarkeit des Lebens und die Bedeutung der Familie für die heutige Zeit.
Spirituell leben bedeute, so Bischof Küng, den Weg finden, was das Eigentliche im Leben sei. Gerade darin habe das Bildungswerk seine Aufgabe: hinauszugehen aus der Kirche und hineinzugehen in die Häuser. Denn es gehe um den Menschen, die heute weithin viel erreichen und besitzen, dabei aber das Wesentliche zu verlieren drohen.

Im anschließenden Hauptreferat unterstrich die evangelische Theologin und Germanistin Dr. Ina Praetorius aus der Schweiz, dass spirituelles Leben heute aus der Rückbesinnung an die Nativität - das Geborensein - erwachsen kann. Diese "geburtliche Frömmigkeit" oder "Mystik des Geborenseins", wie es Praetorius nennt, sei der eigentliche Weg, in dem Körper und Geist noch eine Einheit seien und nicht im scheinbaren Gegensatz von Geist und Körper aufgehen. Die Referentin verweist dabei auf ihre eigene Erfahrung, "wenn ich irgendwie rumlümmle oder im Halbschlaf bin, schlafe ich oft beim Beten ein, lasse meinen Gedanken ihren Lauf und den Körper über die Form des Daseins bestimmen. Das tut gut, mir und meinem Alltag, meiner Arbeit und Kreativität und der Welt". Diese Form der Mystik führe "durch immer neue Landschaften" und man wisse nie, "wie das Land nach der nächsten Kurve aussieht", meint die Referentin. Und frei formuliert sie die Bibelstelle bei Matthäus im 18. Kapitel neu, in dem Jesus ein Kind in die Mitte stellte: "Wenn ihr nicht euer Geborensein wieder entdeckt, geht ihr voll am guten Leben vorbei. Aber wer täglich übt, neu geboren zu werden, der ist der Größte".

Workshops
In sieben Workshops befassten sich die Teilnehmer mit speziellen Fragen der Spiritualität heute, etwa über die "Mystik des Geborenwerdens, dem beten, der Begleitung von geistlichen Geburts- und Wachstumsprozessen bis hin zur christlichen Spiritualität.

In der Generalversammlung gab Geschäftsführer Gerald Danner die Statistik des abgelaufenen Jahres 2004 bekannt. Demnach seien in den Pfarren der Diözese St. Pölten 647 ehrenamtliche Bildungswerkleiter und Teammitglieder tätig gewesen, die 1.317 Veranstaltungen geplant und durchgeführt haben, an denen 68.676 Teilnehmer gezählt wurden. Schwerpunkte seien im vergangenen Jahr das Themen "Global denken - lokal handeln: Solidarität im Gespräch" und das Sozialwort der christlichen Kirchen gewesen.