Spätabtreibung Behinderter eine "Bedrohung"

Die Streichung der "eugenischen Indikation", die eine Abtreibung behinderter Kinder bis zum Ende einer Schwangerschaft straffrei stellt, hat "Familien-Bischof" DDr. Klaus Küng gefordert. Anlass für die Stellungnahme des Bischofs war der am Mittwoch weltweit begangene "Down-Syndrom-Tag".

Laut dem 1975 in Kraft getretenen Paragrafen 97 des Strafgesetzes ist eine Abtreibung in Österreich unter anderem dann straffrei, wenn sie binnen der ersten drei Schwangerschafts-Monate vorgenommen wird oder wenn "eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein" wird. Das bedeutet, dass bei einer diagnostizierten Behinderung des Kindes die Drei-Monats-Frist nicht gilt. Behinderte Kinder dürfen - im Gegensatz zu nicht behinderten Kindern - bis zur Geburt abgetrieben werden.

Eltern behinderter Kinder empfänden diese Regelung als eine "schwere Ungerechtigkeit" und als "Bedrohung", weil diese Vorgangsweise "in schwerstem Maße" gegen das Prinzip der Gleichberechtigung verstoße. Behinderte Kinder, die noch dazu von den Eltern oft "ganz besonders geliebt sind", würden offenbar als "minderwertig" betrachtet, so Bischof Küng.

Es sei, so Küng, heute für Ärzte und Operationsteams "sehr belastend, wenn einerseits für zu früh geborene Kinder - auch wenn sie behindert sind - alle zur Verfügung stehenden medizinisch-technischen Ressourcen zur Anwendung kommen, um sie zu retten, auf der anderen Seite aber bereits lebensfähige Kinder im Mutterschoß getötet werden". Dazu kommt laut Küng noch die Frage, was als "Behinderung" und als Grund für eine Abtreibung angesehen wird: "Ist nicht jeder in irgendeinem Bereich behindert?"

 

Jedes Menschenleben hat "unendlichen Wert"

Die Österreichische Bischofskonferenz hatte in den vergangenen Jahren wiederholt die "eugenische Indikation" beanstandet. Schon im Herbst 1988 hatten die Bischöfe in einer Erklärung auf eine Diskussion der derzeitigen Regelung gedrängt, wonach "bei Verdacht auf Vorliegen einer Missbildung des Kindes" die Dreimonatsfrist nicht gilt, also "Kinder im siebenten, achten oder neunten Monat getötet werden können". Die Bischofskonferenz hielt in ihrer Erklärung damals fest: "Das Leben jedes Menschen - auch eines behinderten und kranken - stellt einen unendlichen Wert dar".