Sozialwort - Auftrag und Verantwortung

Mit ihrem Eintreten für die ökosoziale Marktwirtschaft, für die Beibehaltung des umfassenden Sozialsystems und der eindeutigen Präferenz für das Umlagesystem bei den Pensionsversicherungen haben sich die 14 ökumenischen Kirchen in Österreich in ihrem Sozialwort auch auf sozialpolitische Details festgelegt. Dies geben Vertreter des Ökumenischen Arbeitskreises St. Pölten beim Aschermittwochfrühstück am 25. Februar in der Evangelischen Superintendentur in St. Pölten bekannt.
Als Vertreter der ökumenischen Kirchen waren Superintendent Mag. Paul Weiland von der Evangelischen Kirche, Superintendent Lothar Pöll von der Methodistischen Kirche, Ordinariatskanzler Dr. Gottfried Auer von der Katholischen Kirche und Roman Fröhlich, Präsident der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten anwesend.


Für ein menschenwürdiges Leben
"Das Seelenheil des Menschen wird nicht erst im Himmel entschieden, die Kirchen haben auch einen gesellschaftlichen Auftrag und soziale Verantwortung", unterstrich Superintendent Weiland. Dabei gehe es den christlichen Kirchen wesentlich um "ein menschenwürdiges Leben für alle", zu dem auch die Fragen wie Gesundheit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zumutbare Arbeitszeit und angemessenes Einkommen zählen.
Im Bereich der Wirtschaft gebe es eine "eindeutige Festlegung" auf die Ökosoziale Marktwirtschaft, unterstrich Roman Fröhlich. Ebenso werden im Sozialwort auch Bedenken gegen eine Privatisierung in bestimmten Bereichen angemeldet, vor allem in jenen, die mit gesellschaftlichen und sozialen Verpflichtungen gekoppelt seien.


Armut präventiv verhindern
Als zwei weitere wesentliche Schwerpunkte im Kapitel über soziale Sicherheit werden die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystem sowie der Altersvorsorge genannt, wies Superintendent Pöll hin. Die Finanzierung der Krankenversicherungen und der Pensionen sei "in hohem Maß eine Frage des politischen Willens und einer ausgewogenen Verteilung der Lasten", zitierte Pöll aus dem Papier. Es sei dabei sehr wohl Aufgabe des Staates, Armut zu bekämpfen und auch präventiv zu verhindern, untermauerte er. Obwohl im Sozialwort eine "Grundversorgung" für alle gefordert werde, werde ein "Grundeinkommen" zwar nicht ausdrücklich genannt, aber dennoch "andiskutiert und von allen Kirchen unterstützt", wie die Anwesenden bestätigten.


"Rückendeckung" durch Stadt und Land NÖ
Angesprochen auf das Zusammenleben der Menschen in der Landeshauptstadt St. Pölten, wiesen Superintendent Mag. Weiland und Ordinariatskanzler Dr. Auer auf das gute Verhältnis der "verschiedenen Völker, Religionen und Kulturen" zueinander hin. Auch die vorhandenen sozialen Initiativen wie etwa die Emmausgemeinschaft hätten "in hohem Maß auch die Rückendeckung durch Stadt und Land", was zu der vorhandenen großen Zufriedenheit beitrage.


Das Sozialwort sei ein "Arbeitsbuch", das Orientierung geben soll und von den Kirchen ständig in Erinnerung gerufen werden müsse. Eine Art "Fahrplan" für die Umsetzung gebe es allerdings nicht.