Solidaritätsmarsch für Lehrlinge

Mit einem Solidaritätsmarsch machte die Katholische Arbeiterjugend der Diözese St. Pölten (KAJ) auf die steigende Jugendarbeitslosigkeit und die schwierige Situation von Lehrstellensuchenden aufmerksam. In der Nacht von 16. auf 17. Mai marschierten die Jugendlichen 30 km von St. Ägyd am Neuwalde nach Mariazell. Mit dem traditionellen "Solimarsch" und vielfältigen Aktionen vor der Mariazeller Basilika wurde heuer besonders die Lehrlingsstiftung Eggenburg im Waldviertel gefördert. Die Katholische Arbeiter/innenbewegung (KAB) unterstützte die Anliegen der Jugend mit einer Wallfahrt nach Mariazell am selben Tag und einem gemeinsamen Gottesdienst mit der KAJ.

"Wer nicht ausbildet, muss zahlen", ist die zentrale Forderung verschiedener Jugendorganisationen, die bei einer Diskussionsveranstaltung im Anschluss an den Solidaritätsmarsch in Mariazell formuliert wurde. Vertreter von KAJ, der Katholischen Jugend Österreich, der Gewerkschaftsjugend und des Referates für junge Arbeitnehmer/innen der Arbeiterkammer Niederösterreichs kritisierten die Regierungspolitik, die seit Jahren nur die Wirtschaft, nicht aber die jugendlichen Arbeitssuchenden unterstütze. Die Wirtschaft braucht mehr Facharbeiter, bildet selbst aber immer weniger aus. So hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten die Zahl der Ausbildungsbetriebe halbiert.

Mit den Zahlungen von Betrieben, die keine Lehrlinge ausbilden wollen, sollen überbetriebliche Ausbildungszentren betrieben werden, um mehr Arbeit suchenden Jugendlichen eine Lehrstelle anbieten zu können. Einen neuen Weg der Lehrlingsausbildung geht auch die Lehrlingsstiftung Eggenberg, die 1998 gegründet wurde. Dort können Jugendliche Berufsorientierungskurse besuchen und haben die Möglichkeit, eine zehnmonatige Lehrausbildung zu machen. Das ziel der Lehrlingsstiftung ist, jungen Menschen bei ihrer Suche nach Arbeit zu helfen und so der steigenden Jugendarbeitslosigkeit besonders im Wald- und Weinviertel entgegen zu wirken.

Jugendarbeitslosigkeit: "Kirche muss klar Stellung nehmen"

Auch die kirchlichen Organisationen müssten den Jugendlichen den Rücken stärken, forderte Karl Immervoll, Betriebsseelsorger im "Treffpunkt Kirche - Arbeitswelt" in Heidenreichstein (NÖ). "Die Jugendlichen brauchen eine stärkere Lobby", so Immervoll, daher seien auch die Kirche und ihre Amtsträger "gefordert klar Stellung zu nehmen". Auch Markus Beranek, Jugendseelsorger in Wien, betonte in seiner Predigt beim Gottesdienst nach dem "Solimarsch", dass gerade Christen den Mut haben müssten, "den Mund aufzumachen" und nicht wegzuschauen.

Der Solidaritätsmarsch wurde erstmals vor 53 Jahren durchgeführt. Josef Cardijn, belgischer Gründer einer christlichen Gewerkschaftsjugend, begleitete am 1. Mai 1954 7.500 junge Arbeiterinnen und Arbeiter nach Mariazell, um dort der verfolgten und unterdrückten Brüder und Schwestern jenseits des damals neuen "Eisernen Vorhangs" zu gedenken. Als Zeichen der Verbundenheit stellten sie einen schmiedeeisernen Leuchter mit neun Kerzen auf, jede ein Symbol für ein Bundesland und zugleich für ein Land des damaligen Ostblocks. Nach dieser Nacht wurden die Kerzen gelöscht und sollten erst wieder von Pilgern entzündet werden, die nach dem Fall des Kommunismus nach Mariazell kommen würden. Man nennt sie heute noch die "schweigenden Kerzen".