Silvesterpredigt 2007

Liebe Brüder und Schwestern! Einmal mehr haben wir uns im Dom versammelt, um am Ende eines Jahres Gott für alles zu danken, was er uns in diesem Jahr geschenkt hat.

Es war ein besonderes Jahr, denn wir haben anlässlich des 850. Jubiläums der Wallfahrt in Mariazell den Besuch des Heiligen Vaters empfangen. Er hat zusammen mit uns gebetet, uns mehrere wichtige Themen zur Erwägung vorgelegt und uns ermutigt. Der Besuch des Heiligen Vaters hat uns bewusst gemacht, dass wir Grund zu Zuversicht haben. Wer die trotz Schlechtwetter und Regen herzliche Atmosphäre in Mariazell erlebt und die frohe, optimistische Haltung des Papstes beobachtet hat, weiß, dass wir nicht allein sind - Gott ist mit uns - und dass trotz aller Schwierigkeiten das Licht von Bethlehem auch unserer Zeit leuchtet. Inmitten einer weitgehend säkularisierten Umwelt ist die Sehnsucht vieler nach dem wirklich Erfüllenden und Bleibenden, nach Gott spürbar. Gleichzeitig hat uns der Heilige Vater in seinen Predigten und Ansprachen verdeutlicht, dass die Aufgaben, vor denen wir stehen, dringend sind, weil in unserer, einer von Materialismus und Hedonismus stark geprägten Gesellschaft, viele für den Menschen wichtige Werte - wie z.B. der Wert des Lebens oder der Wert des Sonntags und überhaupt der Wert des Christseins - bedroht sind.

In diesem Jahr haben wir in unserer Diözese mit einem Erneuerungsprozess begonnen und bereits mehrere Schritte unternommen, um möglichst viele in diesen Erneuerungsprozess einzubeziehen und sie zum Mitdenken und Mittun anzuregen. Die verschiedenen, zu diesem Zweck bereits stattgefundenen Begegnungen haben gezeigt, dass in unserer Diözese viel Gutes vorhanden ist, viel Engagement und großes Interesse an der Aufgabe der Kirche, dass aber manches tatsächlich der Erneuerung bedarf.

Viel Positives ist im Verlaufe des zu Ende gehenden Jahres geschehen: Wir haben einen neuen Weihbischof erhalten, der schon fest an der Arbeit ist. Ein Diözesan- und fünf Ordenspriester wurden geweiht, weiters für die Diözese drei Diakone, die, so Gott will, im nächsten Jahr die Priesterweihe empfangen. Zwei neue Priesteramtskandidaten sind im Propädeutikum eingetreten, einer im Seminar. Die Berufungspastoral, die schon im Vorjahr entstanden ist, hat sich konsolidiert. Gute Arbeit wird in den Jugendhäusern geleistet. Es finden in der Diözese nicht wenige Exerzitien statt; Wallfahrten werden an vielen Orten abgehalten, Pilgerreisen häufig unternommen. Dazu kommen die umfangreichen und vielfältigen Bemühungen in den Pfarren das ganze Jahr hindurch. Die Pfarrgemeinderäte wurden im Frühjahr neu gewählt und sind mit großem Eifer an der Arbeit. Eine sehr große Zahl von Ehrenamtlichen bringen ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Talente im kirchlichen Leben ein.

Ohne Zweifel haben wir viele Gründe, Gott zu danken für so vieles, das im vergangenen Jahr geschehen ist, auch für nicht weniges, das nach und nach in Gang kommt und die Hoffnung vermittelt, dass sich ein neues Aufleben geistlichen Lebens ankündigt.

Sicher haben wir ebenso viele Gründe, um an der Schwelle eines Neuen Jahres Gott um Gnade und Beistand zu bitten, damit wir die rechten Wege finden, um in dieser unserer Zeit mit den vorhandenen Kräften eine positive Entwicklung einzuleiten, aus der eine junge Kirche mit christlichen Familien und einer ausreichenden Anzahl geistlicher Berufe hervorgeht. In diesem Zusammenhang möchte ich die Gelegenheit nützen und drei konkrete Bitten an alle Gläubigen der Diözese aussprechen:

1.) geistliche Erneuerung ist mehr als Aktion und Organisation. Deshalb bin ich zutiefst davon überzeugt, dass in unserem "Erneuerungprozess" Gebet im Vordergrund stehen soll. Ich bitte daher alle Gläubigen, denen die spirituelle Erneuerung der Diözese ein Anliegen ist, einzeln und / oder gemeinsam bei der Feier der Eucharistie, beim Gebet des Rosenkranzes oder auf andere Art und Weise möglichst täglich dafür zu beten. Zudem wäre ich dankbar, wenn in möglichst allen Pfarren, eventuell auch Filialkirchen und anderen Kapellen, in denen Gläubige regelmäßig zusammenkommen, in diesem Anliegen regelmäßig Gebetsstunden gehalten werden.

2.) Eine große Sorge stellt der Rückgang des Glaubensverständnisses in weiten Kreisen der Bevölkerung dar. Ich weiß, dass in den vergangenen Jahren in den Pfarren sehr viel unternommen wurde und heute unternommen wird, um den Kindern und Jugendlichen eine gute Vorbereitung für den Empfang der Sakramente zuteil werden zu lassen. Diese Bemühungen sind ebenso wie der Religionsunterricht vor allem dadurch erschwert, dass nur ein Teil der Bevölkerung den christlichen Glauben tatsächlich ausübt. Aus diesem Grund bitte ich alle Pfarren, über die schulische Vermittlung hinaus dafür Sorge zu tragen, dass im Zusammenhang mit der Sakramentenpastoral den Kindern und deren Eltern die Grundgebete und das Glaubensbekenntnis gut vermittelt und die die Taufe, die Firmung, die Eucharistie und das Bußsakrament betreffenden Glaubensaussagen möglichst klar und verständlich dargelegt werden. Dabei wird von großer Bedeutung sein, dass diese Aufgabe von Personen wahrgenommen wird, die selbst praktizierende Gläubige sind und über das nötige Wissen verfügen. Falls nicht genügend für diese Aufgaben vorbereitete Personen zur Verfügung stehen, wird die Zusammenarbeit mit Nachbarpfarren nötig sein. Außerdem möchte ich alle Pfarren anregen, den Familien konkrete Anregungen und Hilfen mitzugeben, damit das Kirchenjahr auch im Familienleben zur Geltung kommt.

3.) Wir müssen eine missionarische Kirche sein, missionarisch gesinnte Christen. "Ihr sollt meine Zeugen sein", hat Jesus zu den Aposteln gesagt, er sagt es auch zu uns. Wir sind berufen, den Glauben anderen weiterzugeben, den Menschen Christus aufzuzeigen. Jeder kann dazu beitragen. Als Einübung in diese Situation bitte ich alle Gläubigen zu überlegen, wen sie in nächster Zeit aus dem Kreis der unmittelbaren Umgebung, der eigenen Verwandten und Bekannten Gott näher bringen könnten/sollten, indem sie sie liebevoll persönlich ansprechen und z.B. zu einer Wallfahrt, zu Exerzitien oder anderen den Glauben betreffenden Veranstaltungen einladen.

So wünsche ich Ihnen allen, liebe Brüder und Schwestern, Gottes Segen für das Neue Jahr. Der Herr selbst wird uns, wenn wir ihn darum bitten, beistehen, wie Paulus den Korinthern geschrieben hat: "Er wird euch auch festigen bis ans Ende. Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn"