Sie haben vielen die Quelle des Lebens erschlossen

Mit einem Festgottesdienst mit Bischof DDr. Klaus Küng in der Klosterkirche von Amstetten feierten die Schulschwestern vom III. Orden des heiligen Franziskus in Amstetten ihr 150-jähriges Bestehen. In zehn Niederlassungen in der Diözese unterhält die Gemeinschaft Schulen, Kindergärten und Pflegeheime. Ihr gehören heute 78 Schwestern an. An der Feier nahmen auch Weihbischof Heinrich Fasching, Abt Berthold Heigl und zahlreiche Priester teil. Unter den politischen Vertretern Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka sowie weitere Vertreter des politischen und öffentlichen Lebens. Auch Vertreterinnen von anderen Ordensgemeinschaften und aus den Niederlassungen waren gekommen.

Leben im Dienst Jesu und der Menschen

"150 Jahre sind ein Grund, Gott zu danken für all das Gute, das bisher geschehen ist und noch immer geschieht", sagte Bischof Klaus Küng zur Eröffnung des Gottesdienstes. In seiner Predigt ging er dann auf die Bedeutung des Ordens der Schulschwestern ein. Durch diese Kongregation haben im Verlauf dieser 150 Jahre eine große Zahl von Menschen die Quelle des Lebens neu entdeckt. Zahlreiche Schwestern haben ihr Leben ganz in den Dienst Jesu und der Menschen gestellt. Dadurch seien eine Reihe segensreicher Einrichtungen entstanden, wies der Bischof hin. Er dankte den Schwestern für diesen ihren Einsatz, für ihre Bereitschaft den Armen zu dienen und dabei auch die Nöte der Zeit wahrzunehmen.
Es sei aber eine bedrängende Frage, dass es heute wenig Nachwuchs gebe, sagte der Bischof. Die Ursachen dafür seien nicht schwer zu erkennen, denn viele Menschen meinen, es gehe heute auch ohne Gott. Doch die Folgen dieser Einstellung seien dramatisch, wies er hin: Familien zerbrechen, Menschen werden nicht glücklich, obwohl sie viel besitzen und viele werden durch die Konsum- und Fungesellschaft zu vielerlei Geschäftigkeit verführt.
Doch hinter dieser Situation sei bereits wieder ein Umbruch erkennbar, prognostizierte Bischof Küng. Bei vielen Menschen zeige sich eine große Sehnsucht. Wenn Gott wieder erkannt und Christus entdeckt werde, könne auch die Quelle des Lebens zu sprudeln beginnen. Dann erwache auch wieder die Bereitschaft zur Nachfolge, sagte der Bischof und meinte, dass man deshalb Grund zu einer richtig begründeten Freude haben könne.

Kollekte für Nowosibirsk

Als Opfergaben brachten die Schwestern beim Gottesdienst die Bibel und ihre Ordensregel zum Altar, eine Kerze als Zeichen des gemeinsamen Lebens, aber auch Symbole für ihre Arbeit und Tätigkeit in den Behinderten- und Pflegeheimen, in den Kindergärten und Schulen, in der Seelsorge und bei der Unterstützung von Hilfsprojekten. So wird auch das Ergebnis der Kollekte dieser Messe der katholischen Volksschule der Franziskaner in Nowosibirsk zur Verfügung gestellt.

Ohne Schulschwestern wäre vieles nicht möglich

Der Amstettner Bürgermeister Herbert Katzengruber erklärte in seinen Grußworten, dass der Orden der Schulschwestern aus dem Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken sei. Auch die Politiker wüssten, dass die Menschen viele Fragen haben, auf die es nur wenig Antworten gebe. Um leben zu können, bedürfe es Menschen wie der Schulschwestern, ohne deren Arbeit vieles in unserer Gesellschaft nicht möglich wäre.
Bezirkshauptmann Dr. Hans-Heinz Lenze dankte den Schwestern für ihren Einsatz im Bildungsbereich und wies hin, dass fast alle 220 Kindergärtnerinnen des Bezirkes ihre Ausbildung bei den Schulschwestern in Amstetten erhalten haben.
Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka betonte, dass dieser Orden das Leben im Land entscheidend mitgeprägt habe. Die Leistungen des Ordens seien zwar nicht so sehr von außen ersichtlich, dafür aber vielmehr nach innen. Die Schwestern seien in ihrem Engagement auch für die Menschen in der Zivilgesellschaft ein Vorbild. Die Arbeit in den vergangenen 150 Jahren sei als "Auftrag für die Zukunft" zu sehen, sagte er: "Ihre Arbeit gibt dem Land ein menschliches Gesicht", sagte Sobotka, "oft im Stillen und Kleinen, was sich aber multipliziert und dadurch groß wird. Ihre Kraft und Stärke lassen auch uns hoffen".

Gründungsgemeinschaft kommt aus Hallein

Im Jahr 1856 erhielten die Schwestern vom St. Pöltner Bischof Ignaz Feigerle die Stiftungsurkunde. Damals befand sich das Mutterhaus noch in Judenau. Erst nach dessen Enteignung 1938 wurde der Stammsitz nach Amstetten verlegt.
Der eigentliche Ursprung der Schwestern liegt 1723 in Hallein, als sich Theresia Zechner, später Schwester Hyazintha, mit Gleichgesinnten um die Töchter der Salinenarbeiter zu kümmern begann. Die Frauen arbeiteten und lebten im Geist des Heiligen Franziskus. Sie legten die Ordensgelübde bei den Franziskanern in Salzburg ab. Erst hundert Jahre später folgten die ersten Statuten und die öffentliche Anerkennung als religiöse Gemeinschaft.