Sexuelle Gewalt: "Jeder macht sich schuldig, der wegschaut!"

Mehr Sensiblilität im Umgang mit Opfern von sexuellem Missbrauch und entschlossenes Vorgehen forderte Dechant Johann Zarl, Leiter der diözesanen Ombudsstelle für Opfer von sexuellem Missbrauch am Freitag bei einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema "Mit Herz und Hirn - Prävention von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen" von Katholischer Jungschar, Referat für Jugendpastoral und Ombudsstelle der Diözese St. Pölten im Bildungshaus St. Hippolyt. Wenn ein Verdacht auf sexuellen Missbrauch geäußert werde, müssten die Verantwortlichen sofort handeln, sagte Zarl, der darauf hinwies, dass ein betroffenes Kind durchschnittlich bis zu sieben Personen ansprechen müsse, bevor ihm Hilfe zuteil werde. "Jeder macht sich schuldig, der wegschaut", gab Zarl zu bedenken.

Dieses Bewusstsein wäre oft noch mangelhaft und auch in der Kirche werde hier mit viel zu wenig Überzeugung gehandelt. Der Leiter der Ombudsstelle der Diözese St. Pölten bedauerte in diesem Zusammenhang, dass es in Österreich für das Vorgehen bei sexuellem Missbrauch "immer noch keine Richtlinien der Bischofskonferenz" gäbe, "wie sie eigentlich von Rom gefordert" würden.

Zarl ging auf die Vorgehensweise seiner Arbeitsgruppe ein, der die Richterin Gabriele Hintermayer, der Universitätsprofessor und Psychotherapeut Stefan Frühwald und der Leiter der Emmausgemeinschaft St. Pölten, Karl Rottenschlager angehören. An die Ombudsstelle kann sich jeder wenden, der Verdacht schöpft, oder selbst betroffen ist. Handy 0676/ 82 66 33 385, Tel. 07435/ 52 425 oder E-Mail: .

Die Anstrengung eines zivil- oder kirchenrechtlichen Verfahrens ersetzt die Arbeit der Ombudsstelle nicht. Im Vordergrund stehen die Beratung und Vermittlung von Hilfestellung. Ein Informationsfolder mit den Kontaktadressen wird demnächst erscheinen, kündigte Zarl an.

"Wir sehen diese Bildungsveranstaltung als Chance, uns als kirchlich engagierte Menschen dem Thema zu stellen", so Constanze Gangl, Bildungsreferentin der Katholischen Jungschar der Diözese St. Pölten. Zusammen mit Maria Zugmann-Weber vom Referat für Firm- und Jugendpastoral zeichnet sie verantwortlich für die Organisation des zweitägigen Seminars, das am 23. bis 24. Februar kommenden Jahres auch im Bildungshaus Stift Zwettl stattfindet.
Erklärtes Ziel der Veranstaltung ist es, jenen Frauen und Männern, denen Heranwachsende in kirchlich-pädagogischen Einrichtungen anvertraut sind, das Rüstzeug mit zu geben, Mädchen und Buben vor sexuellem Missbrauch zu bewahren und für den Bedarfsfall konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Referentinnen und Referenten zum Thema waren weiters Univ. Ass. Andrea Lehner-Hartmann von Institut für Religionspädagogik an der Universität Wien, Mag. Rosemarie Heitzer vom Kinderschutzzentrum Möwe St. Pölten, Christine Klimt und Sissi Kronlechner vom Verein Selbstlaut Wien und die Leiterin der NÖ Kinder- und Jugendanwaltschaft Gabriela Peterschofsky-Orange.