Seelsorge in den Wechselfällen des Lebens IV

Riten haben ihre feste Bedeutung im Leben der Menschen, betonte der Regensburger Pastoraltheologe Dr. Konrad Baumgartner am letzten Tag der Priesterstudientagung in St. Pölten. Dies betreffe vor allem auch die Riten bei den Trauer- und Bestattungsfeiern. In seinen Ausführungen wies Baumgartner hin, dass die Riten des Abschieds und der Trauerarbeit den Kranken und Sterbenden helfen, den Übergang vom Leben zum Tod zu überstehen. Sie geben auch den Trauernden Orientierung und Sicherheit und helfen, wieder den Alltag zu leben. Auch in nichtreligiösen Gesellschaften haben sich im Laufe der Zeit parareligiöse Riten gebildet, sagte Baumgartner.
Riten haben eine stützende und integrierende Funktion. Sie bedürfen einerseits vorgegebener und fest stehender Elemente, die andererseits mit Elementen der konkreten Situation verbunden werden. Dabei sei jede einseitige Ausrichtung zu vermeiden. Darüber hinaus würde Rituale nur dann "funktionieren", wenn auch alle Beteiligten aktiv mit einbezogen werden, erklärt Baumgartner.

Die Begegnung mit den Sterbenden müsse im Licht des Auferstehungsglaubens stehen, wies er hin. Auch die Zuhilfenahme der Psychologie könne die Bedeutung des christlichen Glaubens für die Bewältigung des Abschieds und der Trauer nicht ersetzen. Im Zentrum der christlichen Trauerarbeit stehe die Verkündigung des Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi und die Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott. Der Glaube könne dabei zwar nicht den Schmerz ersparen, aber den Trauerprozess entscheidend stützen und erleichtern und er könne helfen, den Verlust eines geliebten Menschen leichter zu ertragen: Denn die Verstorbenen seien nicht verloren gegangen, sondern leben vielmehr bei Gott und seien in neuer Weise nahe.