Seelsorge in den Wechselfällen des Lebens II

Eine grundlegende Veränderung in der Trauerkultur konstatiert der Regensburger Pastoraltheologe Prof. Dr. Konrad Baumgartner. In seinen Ausführungen im Rahmen der dreitägigen Priesterstudientagung in St. Pölten zum Thema "Seelsorge in den Wechselfällen des Lebens" sprach er über die heutigen Herausforderungen christlicher Bestattungskultur. Die Veränderungen in der Bestattungskultur haben vor allem mit den Veränderungen in Gesellschaft und Kirche zu tun, sagte er. Im Judentum, Islam und Hinduismus bleiben die Begräbnisriten großteils unverändert. Im Christentum gebe es hingegen eine große Offenheit und Pluralität. So liegen im Raum Regensburg die Feuerbestattungen heute bereits bei 40 Prozent und in den neuen Bundesländern schon bei 95 Prozent.

Eine pastorale Chance

Die Bestattungskultur sei eine positive pastorale Chance, sagte Baumgartner. Für das Christentum seien die Toten lebendig und die Bestattung daher eine Angelegenheit der gesamten Gemeinde. Heute gebe es den Trend, die Bestattung wieder als reine Familienangelegenheit zu sehen, bei der die Gesellschaft ausgeschlossen ist, bis hin zur anonymen Beisetzung.
Ein Problem sei, dass in Deutschland bereits ein Drittel der Bevölkerung konfessionslos sei. So treten anstelle der Priester weithin gewerbliche Bestatter als Dienstleistungsunternehmen auf, die den gesamten Ablauf einer Bestattung, von der Feier mit einem eigenen "Ritendesigner" bis hin zur Grabrede inszenieren.
Der Friedhof, einst auch als "Gottesacker" bezeichnet, sei von seinem Ort rund um die Kirche an die Ränder der Städte und Dörfer gewandert und mitunter sogar einem "Friedwald" gewichen, wo bei den Wurzeln der Bäume die Urnen beigesetzt werden können.

Auch auf Friedhöfen muss Verkündigung stattfinden

Baumgartner rief in diesem Zusammenhang die Seelsorger auf, sich wieder auf die traditionelle christliche Trauerkultur zu besinnen und dafür auch tatkräftig einzutreten. Man müsse achten, dass die Friedhöfe auch in Zukunft noch etwas von der christlichen Trauer und Hoffnung künden und nicht zu Steinwüsten werden.
Auch auf den Friedhöfen sollte Verkündigung stattfinden und etwas von der christlichen Hoffnung auf ein ewiges Leben ausdrücken, betonte er. Besondere Aufmerksamkeit sei dabei den Gräbern von Kindern, aber auch von Fehlgeburten zu schenken. Baumgartner stellte die Frage, ob in den Texten der Todesanzeigen von etwas von der christlichen Hoffnung und dem christlichen Glauben zu erkennen sei. Einen starken Nachholbedarf ortet er im Bereich der Musik. Er bedauerte, dass es kaum "geeignete sinnvolle neue Lieder" für die Trauerliturgie gebe.
"Wir erleben einen gewaltigen Wandel, aber keinen Verfall", sagte Baumgartner abschließend und meint, dass das Ergebnis der aktuell sich vollziehenden "Entkirchlichung" nicht der areligiöse Mensch sei, sondern der "zaghaft religiös Suchende".