Seelsorge in den Wechselfällen des Lebens I

Die Seelsorge in den Wechselfällen des Lebens ist das Thema der diesjährigen Priesterstudientagung vom 20. bis 22. Februar im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. Es referieren die Fundmantaltheologin Prof. Dr. Martha Zechmeister CJ, Dr. H Markus Riegler can.reg vom Stift Vorau, der Regensburger Professor Dr. Konrad Baumgartner und Prof. Dr. Walter Simek can.reg aus Klosterneuburg. Beten für Quereinsteiger

In ihren Ausführungen über "Beten für Quereinsteiger und Aufmüpfige" ging Dr. Martha Zechmeister auf ihre Erfahrung ein, die sie während eines einjährigen Aufenthaltes vor sieben Jahren in den Favelas von San Salvador gemacht hatte. Unsere traditionellen Orte der Erfahrungen des Betens seien nicht immer jene, in denen sich die Menschen daheim finden, erklärte sie. Gerade bei der Karfreitagsliturgie in El Salvador, bei Hitze, Lärm und Staub sei ihr so richtig bewusst geworden, dass Beten ein Ort des Widerstandes und der Unterbrechung alter Gewohnheiten sei.
Beten sei Widerstand, weil es aus der Plausibilität der Sachgesetze heraustritt, mutig sehe was ist und das ins Wort bringe. "Wir brauchen dazu eine neue Sprache, eine betende Sprache der Befreiung und Erneuerung", betonte Sr. Martha Zechmeister.
Beten breche auch aus der Selbstbehauptung aus, es mache Mut, sich erlösen zu lassen, sagte sie. Beten spreche nicht über den Anderen, sondern sei eine Bewegung, die von sich weg und auf den Anderen hingeht. Wer sich darauf einlasse, werde offen und dadurch auch verletzlich.
Mystik und Politik seien zudem zwei Pole mit einer gewaltigen Spannung, die aber überall gelebt werden könne, im Karmel ebenso wie in den Favelas. Beten dürfe niemals eine Befriedigung der eigenen Bedürfnisse sein, unterstrich Zechmeister.
Schließlich setze Beten auch die Kraft des Herzens frei, sich nicht mit dem Bestehenden abzufinden. Beten sei aber auch realistisch genug zu erkennen, dass die Welt nicht aus den Angeln gehoben werden kann; es sei auch geduldig genug, nicht fanatisch zu agieren, sondern beharrlich und konsequent Zeichen des Gottesreiches zu setzen.
Darüber hinaus, so Dr. Marthe Zechmeister, sei das Gebet eine "Kultur der Klage". Wer klagt, der hoffe noch, sagte sie. Er mühe sich, aus der passiven Opferrolle zu befreien. Klage setze aber auch eine Veränderung in Gang und sie führt zur Solidarität mit allen Geschöpfen.

Zwischen Florianimesse und Verkehrsunfall

Über die großen Herausforderungen für die Feuerwehrseelsorge informierten der Dr. Markus Riegler can reg vom Stift Vorau und der Vorauer Feuerwehrkomandant Josef Romirer.
Gehörten früher die Florianimesse, die Spritzen- und Feuerwehrautoweihe oder auch die Segnung eines neuen Zeughauses zu den Aufgaben eines Feuerwehrkuraten, sind seine Aufgaben heute weitaus umfassender geworden und aus der Seelsorge in Krisensituationen nicht mehr wegzudenken.
Die Opfer eines Unfalls oder einer Katastrophe brauchen neben der medizinischen auch eine psychosoziale Unterstützung, ebenso wie die Sekundär- und Tertiäropfer. Das sind jene, die indirekt mit dem Unfall oder einer Großkatastrophe zu tun haben. Dazu zählen neben den Angehörigen der Opfer auch die Einsatzleute der Feuerwehr, berichtete der Vorauer Feuerwehkurat Markus Riegler.
Am Beispiel eines konkreten Unfalls mit sechs Schwerverletzten und zwei toten Personen erläuterten Josef Romirer und Markus Riegler die Zusammenarbeit von Ärzten, Rotem Kreuz, Polizei, Feuerwehr und der Notfallseelsorge. Sie seien kompetente Helfer in Krisensituationen, helfen den Helfern und Angehörigen mit verletzten und getöteten Kindern und Kameraden umzugehen und versuchen, nach diesen Extremsituationen den Menschen wieder ein Stück Alltag zurückzubringen.