Schulschwestern betreuen seit 50 Jahren Schwerbehinderte

Seit fünfzig Jahren betreuen Schulschwestern vom Dritten Orden des hl. Franziskus in Loosdorf schwer behinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Bei einem Festgottesdienst in der Loosdorfer Pfarrkirche am 9. Juni ermutigte Bischof DDr. Klaus Küng, "für das Leben und die Liebe" einzutreten. Das Jubiläum des Wohnheimes für Schwerbehinderte unter der Leitung von Sr. Hyazintha Loidl sei ein Anlass, das Leben zu verteidigen, damit sich "die Unterscheidung zwischen lebenswert und nicht lebenswert nicht weiter durchsetzt". Auch dass Alte und Kranke zunehmend an den Rand gedrängt werden, sei ein "Zeichen der Dekadenz unserer Gesellschaft", so Küng.

Die Freude einzelner politischer Verantwortlicher über den Rückgang von Geburten behinderter Kinder bezeichnete Bischof Küng wörtlich als "schauderhaft". Es herrsche ein großer Irrtum in Bezug auf das, was im Leben eines Menschen das Wesentliche sei: die Liebe. Küng ermutigte die Ärzte "eine gerade Linie" zu gehen, auch wenn dies wegen der herrschenden Gesetzeslage schwierig sei. Ohne Liebe werde jedoch der ganze Fortschritt in der Medizin fragwürdig und, so Küng, sogar "zur Gefahr".

Behinderte Menschen seien mit dem Blick auf Gott ein Schatz für die Menschen, erklärte der St. Pöltener Diözesanbischof: "Sie verwandeln die Familien und die Verwandtschaft und machen sie fähig zu lieben." Die Begegnung mit behinderten und kranken Menschen sei ein Hinweis darauf, "wie wir alle der Hilfe und des Erbarmens Gottes bedürftig sind". So gehe es letztlich nicht nur um ein paar in Not befindliche Menschen, sondern um uns alle, betonte Küng: "Wir alle haben unsere Behinderungen und brauchen Hilfe, ob uns das angenehm ist oder nicht."

Die Generaloberin der Schulschwestern, Sr. Franziska Bruckner, Landesrätin Dr. Petra Bohuslav, Frau Bezirkshauptmann Elfiede Mayrhofer, Nationalrat Karl Donabauer und der Bürgermeister von Loosdorf, Nationalratsabegordneter Josef Jahrmann würdigten im anschließenden Festakt die Arbeit der Schulschwestern und aller haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen.

Wohn- und Therapieheim für geistig Schwerbehinderte

Seit 1879 betrieb Kongregation der Schulschwestern vom Dritten Orden des hl. Franziskus in Loosdorf eine Schule mit Internat. Nach der Errichtung einer neuen, größeren Schule durch die Gemeinde im Jahr 1952 wurde das Institut der Schulschwestern in dieser Form nicht mehr benötigt. Nach einer Anfrage an das Mutterhaus in Amstetten kamen am 3. Juni 1957 die ersten 27 behinderten Kinder in die ehemaligen Schulräume. In den Anfängen betreuten die Schulschwestern vor allem in ihrer Entwicklung zurückgebliebene Kinder. Durch heilpädagogische Förderung erreichten viele der Kinder die Schulreife für eine Regelschule. Seit der Einrichtung von Integrationsklassen in den 80er-Jahren blieben nur die schwer Behinderten im Heim zurück. So wandelte sich die Aufgabe der Schulschwestern und der heute 50 Mitarbeiterinnen zur Betreibung eines Wohn- und Therapieheimes für geistig schwer- und schwerstbehinderte Jugendliche und junge Erwachsene.