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Schulreformpläne zu wenig zielführend

Für eine umfassende Schulreform setzt sich der Katholische Familienverband der Diözese St. Pölten ein. Für den Vorsitzenden des Verbandes, Prof. Dr. Josef Grubner, selbst Pädagoge und an der Pädagogischen Akademie in Wien tätig, sind die angekündigten Reformpläne noch immer zu kurz geraten. Bereits in der Vorschule und im Kindergarten seien den Kindern "die bestmöglichen individuellen Lernchancen" zu bieten, verlangt Grubner. Dazu müsse aber das gesamte Bildungs- und Ausbildungssystem von einer zentralen "Stabstelle" aus organisiert werden, wofür sich der Bund verantwortlich zeichnen müsste. Zudem habe die Ausbildung aller Lehrerinnen und Lehrer an der neu einzurichtenden "Pädagogischen Hochschule" zu erfolgen, damit bereits in der pädagogischen Ausbildung eine optimale Effizienz erreicht werden kann.


Individuelle Lernhilfen seien durch Assistenzlehrerinnen und -lehrer sowohl in der Grundschule als auch in der Sekundarstufe anzubieten, meint der Pädagoge. Zudem sollen differenzierte Unterrichtsinhalte, sofern sie sich für bestimmte Lerngruppen rechtfertigen lassen, auf allen Stufen vorgesehen werden.


Kritisch sieht Grubner das Überborden "offener Unterrichtsformen". Diese setzen eine funktionierende Autodidaktik der Schüler voraus, die häufig nicht gegeben sei. Der daraus entstehende "Wettbewerb innerhalb der sich selbst Führenden" lasse nach dem Muster einer "neoliberalen Ellbogentechnik" die schwächeren Schülerinnen und Schüler auf der Strecke zurück. Dies habe für manche Schüler fatale Auswirkungen, die von vielen noch zu wenig gesehen und beachtet werden.


Leistungsstandards seien nach Ansicht Grubners für alle Unterrichtsgegenstände anzubieten, oder wir trennen absichtlich zwischen "Haupt- und Nebengegenständen" bzw. zwischen "PISA-relevanten" und "PISA-unwichtigen" Schulfächern. Dies würde aber nach dem Motto "PISA prüft PISA und nicht BILDUNG" laufen.


Weiters verweist der Diözesanvorsitzende auf den für jeden Bildungsprozess maßgebenden Zusammenhang, dass Wissen und Können immer erst dann bildungsrelevant werden, wenn "zum konkreten Wissen und Können auch die korrespondierende innere Haltung des Lernenden" hinzukommt, also wenn das selbständig erworben Wissen und/oder Können auch verantwortungsvoll umgesetzt werden kann. Damit betont Dr. Grubner den wesentlichen erziehlichen Aspekt jeglicher pädagogischen Arbeit.


Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind genügend Angebote mit ganztägigen Schulformen einzurichten, damit den ohnehin schon aktuellen Gegebenheiten von Alleinerziehenden und doppelverdienenden Eltern Rechnung getragen werden kann, verlangt Grubner. Vor allem dürfe dabei nicht das Kind auf der Strecke bleiben.


Anstelle der bisherigen Schulaufsicht auf Landes- und Bezirksebene sollen sich die Schulen von außen evaluieren lassen (Außencontrolling), und zwar sowohl die Rahmenbedingungen für mögliche schulische Erfolge (das Schulmanagement) als auch die Leistungen der Lehrer/innen und Schüler/innen.