Nikolaus
 
 

Schule im Umbruch

Dass Bewegung in die Diskussion um die Schulreform gekommen ist, zeigen die "St. Pöltner Familiengespräche" des katholischen Familienverbandes der Diözese St. Pölten am 28. April im Stift Herzogenburg. Abgeordnete aller vier Parlamentsparteien legten ihre Pläne für die Zukunft der Schule dar. "Schule im Umbruch" lautete das Thema des Diskussionsabends. Einig waren sich die Parteien darin, dass Bildung ein wichtiger und wesentlicher Bereich des Lebens sei und jedes Kind individuell gefördert werden müsse. Wie das aber geschehen soll, darin gab es noch grundlegende Unterschiede.

Nationalrat Dr. Alfred Brader von der ÖVP sprach sich für die Beibehaltung des differenzierten Schulsystems mit Hauptschule und Gymnasium aus. Allerdings wünsche er sich aber am Beginn des Schuleintritts für das Kind einen gleitenden Einstieg. Die Kinder kämen mit unterschiedlichen Voraussetzungen, die erst ausgeglichen werden müssten, meint er. Zur Ganztagsschule erklärte er, dass diese nur dort einzurichten seien, wo sich zwei Drittel der Eltern dafür aussprechen.
Die Bildungssprecherin der FPÖ, Mares Rossmann, sieht die Familie als notwendiges Fundament der für einen funktionierenden Bildungsprozess. Sie kritisierte vor allem den derzeitigen Parteienproporz im Schulsystem und sprach sich dafür aus, der Lehrausbildung einen höheren sozialen Stellenwert zuzuschreiben. Zu Ganztagsschulen meinte sie, dass diese nur für jene notwendig seien, die kein geregeltes Elternhaus haben. Im städtischen Bereich werde sich dies ohnehin regeln, in ländlichen Gebieten wäre diese Schulform nicht nötig.
Die SPÖ-Vertreterin Beate Schasching sprach sich vehement für eine Gesamtschule wie auch für die Ganztagsschule aus. Sie sei "die ursprünglichere Schulform", sagte sie. Die Schule nach dem derzeitigen System festige nur die sozialen Unterschiede. Diese "soziale Schieflage" müsse durch das Bildungssystem ausgeglichen werden. Man dürfe nicht, "die Schulklassen vollstopfen, Ressourcen zurücknehmen und die Förderungen streichen", kritisierte Schasching. Die Ganztagsschule müsse den Eltern freigestellt werden, doch gebe es für eine echte Wahlfreiheit in Niederösterreich noch zu wenig solcher Schulen.
Der grüne Abgeordnete Dieter Brosz verlangte, dass die Schule die unterschiedlichen Begabungen individuell zu fördern habe und wies auf das "gelungene Modell Finnland" hin. Er kritisierte, dass sich für die sozial schwächeren Schichten die Bildungschancen "seit Jahrzehnten" nicht geändert hätten. Vor allem müsse auch der Begriff der Leistung und die Leistungsfeststellung wieder neu überdacht werden. Zu den Ganztagsschulen merkte er an, dass diese in Europa bereits weithin "Standard" seien. Sie müssten allerdings ausgewogene Lern-, Erholungs- und Projektphasen besitzen.