Schule der Zukunft

Spätestens seit der Pisa-Studie ist die Schule ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Die Palette der Meinungen reicht vom "ausgezeichneten Schulsystem" bis zu "äußerst reformbedürftig". Über die "Schule der Zukunft" diskutierten deshalb am Mittwoch, den 18. April im Bildungshaus St. Hippolyt Vertreter der Kath. Aktion sowie der Kath. SchülerInnenjugend mit dem Pädagogen Dr. Josef Grubner vom Kath. Familienverband sowie den Landtagsabgeordneten Dr. Martin Michalitsch und Helmut Cerwenka. Dr. Gerald Faschingeder, Leiter einer Schul-Projektgruppe der Kath. Aktion Österreich legte das Ergebnis der Arbeitsgruppe vor und unterstrich, dass Bildungsgerechtigkeit eine soziale Aufgabe sei. In Österreich seien 5,7 Prozent der 15- bis 16-jährigen Schüler nicht von der Schule erfasst, jeder fünfte Schüler könne einfache mathematische Aufgaben nicht lösen und über 20 Prozent der Schüler können einfache Texte nicht fließend lesen. Es gebe zudem in Österreich, so verschiedene Untersuchungen, einen hohen Grad an "Bildungsvererbung": Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen seien in höheren Schulen kaum präsent.

Als Diskussionsvorschlag legte Faschingeder ein neues Modell"der Überlegungen der KA-Arbeitsgruppe vor: die "inklusive Schule". Dort sollen "Kinder aller gesellschaftlichen Gruppen ohne Unterschied einander begegnen", sagte er. "Die Unterschiedlichkeit wird in der inklusiven Schule als normal und bereichernd gesehen". Eine Lösung im Schulsystem sieht die Kath. Aktion Österreich nicht im Eintreten für ein fertiges Konzept, sondern in einer "offenen und ehrlichen Diskussion ohne Polemik".

In der anschließenden Diskussion kamen dann doch die unterschiedlichen Ansätze und Sichtweisen der Schule zutage. So tritt der Kath. Familienverband zwar nicht für eine Gesamtschule ein, sondern "für eine gemeinsame differenzierende Mittelstufe" nach einer allgemeinen Grundstufe. Dennoch, so Grubner, gebe es in Österreich ein "relativ gutes" Schulsystem, wobei diese Diskussion um die Schule der Zukunft eine "herausfordernde Sache" sei. Allerdings sei in den vergangenen Jahren von den Schulen zu viel gefordert worden, was sie nicht leisten könne, kritisierte Grubner.
Für "relativ gut" hält auch Cerwenka das österreichische Schulsystem, aber in vielen Punkten verbesserungswürdig. Das duale System führe derzeit zu einem steigenden Zulauf an Gymnasien und einer sinkenden Schülerzahlen an Hauptschulen. Vor allem kritisierte er, dass bei den Reformen der vergangenen Jahre vor allem der Spargedanke im Vordergrund stand und nicht der Nutzen für die Schüler.

Der Landtagsabgeordnete Martin Michalitsch wies auf die Probleme mancher Schulstandorte, vor allem in ländlichen Gebieten hin. Es treffe nicht zu, so der Abgeordnete, die Hauptschulen von vornherein als negativ hinzustellen. Die überwiegende Zahl der Maturanten, vor allem an Berufsbildenden Höheren Lehranstalten, komme bereits aus diesen Schulen. Eine bessere pädagogische Ausbildung der Lehrer verlangte der Vertreter der Schülerjugend Peter Schauer. Der Bereich der Persönlichkeitsbildung werde an den Schulen bisher kaum berücksichtigt, kritisierte er.

Auch in der anschließenden Diskussion kam immer wieder zur Sprache, dass Bildung mehr als nur Wissensvermittlung an den Schulen bedeute.