Schöpfung und Evolution

Im Gutshof Fratres bei Waldkirchen, nahe der tschechischen Grenze diskutierten am 16. August beim Verein Kuturbruecke, einer Plattform zur Überwindung von Grenzen, Christoph Kardinal Schönborn und Wirtschafts- und Evolutionsforscher Ewald Walterskirchen über Zusammenhänge und Widersprüche der christlichen Schöpfungstheorie und der wissenschaftlichen Evolutionstheorie. Weder sei die Schöpfungsgeschichte in der Bibel wörtlich zu interpretieren, noch könne die naturwissenschaftliche Evolutionstheorie eine alles erklärende Weltanschauung sein, in der kein Raum für den Glauben an den Sinn der Schöpfung und des menschlichen Lebens sei, betonte Kardinal Schönborn. Auch Walterskirchen hält an der grundsätzlichen Vereinbarkeit von der Theorie der Evolution und der Religion fest, wenn die Grenzen der Wissenschaft eingehalten werden.

Kardinal Schönborn hat 2005 mit einem Artikel in der New York Times weltweit sehr heftige Diskussionen über die Frage: Gibt es ein Ziel der Schöpfung, oder sind wir nur das Ergebnis eines kosmischen Zufalls? - ausgelöst. Im Gutshof Fratres erklärte er am Samstag, warum es so wichtig ist, das Paradigma der Evolution als Erklärung für alle Phänomene der Wirklichkeit, also auch der Religion, Moral, Ethik, Kunst etc, in Frage zu stellen: Letztendlich gehe es dabei darum, was Leben eigentlich ausmache. Dabei greife die Wissenschaft zu kurz, denn zufällige Mutationen alleine könnten die Komplexität des Lebens nicht erklären. Schönborn stellte klar, dass es bei einem christlichen Schöpfungsglauben nicht um fundamentalistische Bibelauslegungen gehe, sondern die Schöpfungsgeschichte in der Bibel als Bild zu sehen sei und Entwicklung (Evolution) stattfinde. Die wissenschaftliche Evolutionstheorie sei sehr wohl mit dem Glauben an den Schöpfer vereinbar, wies er hin. Evolution setze Schöpfung voraus, weil sich "nichts" nicht entwickeln könnte. Er sehe die Arbeit der Wissenschaft positiv, weil sie das Wissen erweitere und uns dadurch umso mehr staunen lassen und den Glauben an den Schöpfer nicht beschränken, sondern bestärken könne. Probleme gebe es dann, wenn Wissenschafter sich nicht an ihre Methoden halten und die Grenzen einer wissenschaftlichen Theorie überschreiten.

Wirtschafts- und Evolutionsforscher Ewald Walterskirchen unterstrich die Problematik dieser Grenzüberschreitung. Er wies hin, dass dies auch wirtschaftspolitische Auswirkungen habe: Der Neoliberalismus leite sich direkt vom Darwinismus ab: Wie im Darwinismus werde von der natürlichen Selektion und der Anpassung der Lebewesen an die die Umweltbedingungen - in disem Fall Wirtschaft und Marktmechanismus - ausgegangen. Oberste Priorität habe - wie im Darwinismus - der Blickwinkel der Mikroebene, also der maximale Profit der Unternehmen.
Es sei klar, dass dabei ethisch-politische Probleme entstehen, weist Walterskirchen hin. Ein schrankenlos globalisierter Markt im Sinne des Neoliberalismus könne daher auch keine Orientierung für eine menschengerechte Wirtschaft sein.

Foto: Kardinal Schönborn mit Peter Coreth, Eigentümer des Gutshofes Fratres

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