Schatzkammer von Maria Taferl wieder eröffnet

Als vierter Abschnitt der umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurde am 11. April die Schatzkammer der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl wieder eröffnet. Der Raum und die Fresken aus dem 18. Jahrhundert wurden renoviert, die zahlreichen Votivgaben aus mehreren Jahrhunderten in aufwändiger Arbeit gereinigt und erstmals inventarisiert. In der Empore hinter dem Hochaltar ist eine Sonderasstellung eingerichtet, in der die Votivgaben des österreichischen Kaiserhauses teilweise erstmals öffentlich zu sehen sind.

Einige Gegenstände in der Schatzkammer seien auch materiell kostbar, sagte Diözesanbischof DDr. Klaus Küng beim Festakt zur Eröffnung, "doch alle sind Kostbarkeiten, Schätze der besonderen Art, da sie mit den Sorgen und Freuden der Menschen verbunden sind". Auch die Kooperation von so vielen Personen aus Pfarre, Diözese, Land und Bund zur Restaurierung von Maria Taferl sei "ein Schatz", so Küng. Schließlich trage jeder Mensch einen Schatz in seinem Herzen: "Wir sind nach dem Abbild Gottes geschaffen, der Liebe ist." Diesen Schatz gelte es auch im Alltag zu erkennen und hervor zu holen, betonte Küng, "damit der Schatz der Liebe sichtbar wird".

"Ohne göttliche Gnade ist nichts möglich, das war auch meinen Vorfahren bewusst", erklärte Fürstin Anita von Hohenberg, die die feierliche Eröffnung der Schatzkammer und der Sonderausstellung vornahm. Unter den Votivgaben der Habsburger befinden sich eine Monstranz von Kaiser Leopold I., ein Messkelch von Kaiser Joseph I., ein festliches Messgewand von Kaiserin Elisabeth und ein Messgewand von Kaiserin Karoline Augusta, der Ehefrau von Kaiser Franz II.

Restaurierung und Inventarisierung der Votivgaben

"Die Restaurierung der Räume und der Fresken war relativ schnell getan", sagte Frau Bezirkshauptmann Dr. Elfriede Mayrhofer, Obmann-Stellvertreterin des "Vereins zu Erhaltung von Maria Taferl", "das Reinigen und Restaurieren der Votivgaben war jedoch sehr aufwändig." Diese Arbeit leistete Christian Schüller, der stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von Maria Taferl, gemeinsam mit einigen Helfern. Den ganzen vergangenen Winter war er damit beschäftigt, tausende von Votivgaben zu reinigen und zu restaurieren. Mag. Eva Voglhuber und Ulrike Kirner vom Diözesanmuseum inventarisierten erstmals den gesamten Bestand in Bild und Text.

In der Schatzkammer ist nur ein Bruchteil der Votivgaben zu sehen: "Auf Grund der vielen Gaben kann nicht alles gezeigt werden", erklärte Schüller. Die Bezeichnung Votivgabe leitet sich vom lateinischen Wort "votum", Gelübde, ab. So sei die Schatzkammer "ein Tresor des Glaubens", sagte Christian Schüller. Das Kostbare seien die hinter den Gaben stehenden Intentionen. Es gehe nicht darum, Reichtümer anzuhäufen, sondern "das Maß der Hingabe an die Schmerzensmutter sichtbar zu machen", so Schüller. In den Votivgaben komme die erwiesene Hilfe zum Ausdruck, häufig ergänzt durch kurze Texte und die Jahreszahl, wodurch die Lebensgeschichten der Wallfahrer wieder lebendig würden.

Teilnehmer des Festaktes zur Eröffnung waren auch Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka und Erwin Hameseder, Generaldirektor der Raiffeisen-Holding und Obmann des "Vereins zu Erhaltung von Maria Taferl". Der Verein organisiert durch zahlreiche Benefizveranstaltungen die Finanzierung der Restaurierung. Bis zum 350-Jahr-Jubiläum der Grundsteinlegung im Jahr 2010 soll die gesamte Innenrestaurierung der Basilika fertig gestellt sein. Heuer wird das Langhaus mit seinen Deckenfresken renoviert, im nächsten Jahr als letzter Abschnitt die Orgelempore mit der Orgel.