Sabbatzeit für Propst Küchl zu Ende

Bischof DDr. Klaus Küng hat Propst Ulrich Küchl aufgefordert, sich zum Wohl der Kirche und der Gläubigen aus seiner bisherigen Tätigkeit als Pfarrer in Eisgarn und Eggern zurückzuziehen. Über zukünftige seelsorgliche Einsatzmöglichkeiten wird der Bischof das Gespräch mit Propst Küchl suchen. Mitteilung des Bischöflichen Sekretariates vom 28. Juni:


"Propst Ulrich Küchl, Priester der Diözese St. Pölten, beendet die mit dem Bischof abgesprochene Sabbatzeit am 30. Juni 2005.
Seitens der Diözese und des Bischofs von St. Pölten gab es ein ehrliches Bemühen, um Ulrich Küchl eine Rückkehr als Seelsorger in die Pfarren Eisgarn und Eggern zu ermöglichen. Mit bischöflicher Verfügung wurde von Anfang an festgelegt, dass die Kollegiatsstiftung Eisgarn - auf jeden Fall - zumindest bis 31. Dezember 2005 ruhig gestellt und die finanzielle Verwaltung direkt der Diözese unterstellt ist.
Küchl hat die Sabbatzeit leider nicht genützt, um zur Klärung der im Raum stehenden Vorwürfe gegen seine Person, über die wirtschaftlichen Probleme der Kollegiatsstiftung und betreffend die Amtsführung als Regens des diözesanen Priesterseminars St. Pölten von 2001 - 2004 beizutragen. Er hat auch die mit der Sabbatzeit verbundenen Auflagen nicht oder nur teilweise erfüllt.
In Briefen an die Bevölkerung von Eisgarn und Eggern hat Küchl unverständlicherweise in den letzten Monaten wiederholt die vom Bischof vorgeschlagenen Maßnahmen und den Bischof selbst zu diskreditieren versucht.
Die Wiederaufnahme der seelsorglichen Betreuung der Pfarren Eisgarn und Eggern durch Ulrich Küchl ist nach Ablauf der Sabbatzeit daher leider nicht möglich.
So sieht sich der Bischof gehalten Ulrich Küchl aufzufordern, sich zum Wohl der Kirche und der Gläubigen aus seiner bisherigen Tätigkeit zurückzuziehen. Über zukünftige seelsorgliche Einsatzmöglichkeiten wird der Bischof das Gespräch mit Ulrich Küchl suchen."


Eine weitere Mitteilung des Bischöflichen Sekretariates folgte am 29. Juni, nachdem Propst Ulrich Küchl in einer Stellungnahme die Maßnahmen von Diözesanbischof DDr. Klaus Küng seine Person betreffend als "Strafmaßnahmen" sowie als "unbegründeten und illegitimen Willkürakt" bezeichnet hat:


"1. Die für Propst Küchl ursprünglich vorgesehenen Maßnahmen sahen die Möglichkeit zu Besinnung in einem Tagungshaus mit fachlich qualifizierter Begleitung vor. Dieser Aufenthalt wäre zur Erholung und Aufarbeitung des Geschehenen sehr geeignet gewesen. Zugleich hätte es bei konstruktiver Mitarbeit zu einer weiteren Klärung beigetragen. Propst Küchl war aber nicht nur nicht bereit, diese Gelegenheit zu nützen, er versuchte, den Vorschlag ins Lächerliche zu ziehen.
Da es so nicht zur Klärung kommen konnte, wurde ihm vorgeschlagen, freiwillig ein forensisches Gutachten erstellen zu lassen. Er hat diesen Vorschlag nicht nur nicht befolgt, sondern als Verstoß gegen die Menschenwürde bezeichnet, obwohl es in Wirklichkeit ein anerkannter Weg ist, um eine objektive Klärung zu ermöglichen, die in solchen Zusammenhängen in der Regel eine Voraussetzung ist, um einen neuerlichen Einsatz in der Seelsorge verantworten zu können.
2. Hauptanlass für die Änderung der ursprünglichen Absicht, Propst Küchl am 1. Juli in die Seelsorge als Pfarrer in Eisgarn und Eggern wieder zurückkehren zu lassen, waren die wiederholten Äußerungen des Propstes, die den Eindruck hinterließen, dass jede Einsicht fehlt und die Gefahr einer erneuten Schädigung der Glaubwürdigkeit der Kirche heraufbeschworen wird.
3. Propst Küchl übersieht, dass im Zusammenhang mit den Vorfällen im Priesterseminar St Pölten im vergangenen Jahr weiterhin Vorwürfe im Raum stehen. Er weist zwar diese Vorwürfe als unwahr zurück, sie sind aber dennoch nicht zur Gänze entkräftet. Dabei ist zu bedenken, dass vom kirchlichen Standpunkt aus betrachtet das von Propst Küchl und Dr. Rothe angestrebte zivilrechtliche Verfahren für eine Klärung nicht ausreichend ist. Was nach österreichischem Recht strafrechtlich relevant ist, wird jedenfalls beachtet. Von Seiten der Kirche gibt es aber noch eine Reihe weitere Aspekte, auf die geachtet werden muss, gerade in der kirchlichen Ausbildung und in der seelsorglichen Betreuung junger Menschen.
4. Wenn Propst Küchl trotz der empfangenen Weisung versucht, die Seelsorge in Eisgarn und Eggern aufzunehmen, macht er sich eines schwerwiegenden Verstoßes gegen den priesterlichen Gehorsam schuldig, der zusätzlich zum Anlass eines Absetzungsverfahrens werden kann.
5.Die seelsorgliche Betreuung in Eisgarn und Eggern übernimmt auch in der nächsten Zeit ein benachbarter Pfarrer, der in Zusammenarbeit mit einem Kaplan die Sonntagsmessen, Begräbnisse, Taufen und andere seelsorgliche Aufgaben zum Wohl der Gläubigen wahrnimmt."