"Religionsunterricht ist Lebenszeugnis"

Die Kirchliche Pädagogische Hochschule in Wien, mit Standort am Campus Krems, bietet ab Herbst 2008 neben dem sechssemestrigen Bacherlorstudium einen viersemestrigen Aufbaulehrgang für die Ausbildung von Religionslehrern für Pflichtschulen an. Dieser ist für Lehrerinnen und Lehrer gedacht, die Religion im zweiten Fach unterrichten wollen. Die umfassende, wissenschaftsorientierte und praxisnahe Ausbildung schließt mit dem akademischen Grad "Bachelor of Education" (BEd) ab. Im letzten Schuljahr unterrichteten insgesamt 705 Religionslehrerinnen und Religionslehrer, davon 620 Laien, im Gebiet der Diözese St. Pölten und hielten 8.551 Religionsstunden ab.

"Religionsunterricht kann man nicht im Vorlesungsstil machen", berichtet Veronica Maria Schwed aus ihrer langjährigen Berufserfahrung. "Religionsunterricht ist vielmehr ein Lebenszeugnis." Es sei wichtig, den Glauben selbst zu leben, um diesen authentisch weitergeben zu können, ist die 43-jährige Mutter von vier Töchtern überzeugt: "Es ist schlimm, wenn Religionslehrer nicht das leben, was sie unterrichten." Voraussetzung dafür sei, "von Gott berührt" zu sein und die Menschen ernst zu nehmen. Nach dem Studium der Theologie, die sie "bis heute fasziniert", sei der Wunsch gewachsen, den Glauben weiter zu geben - zuerst ihrer Töchter wegen.

Besonders gefällt Religionslehrerin Schwed an ihrem Beruf, dass sie all ihre verschiedenen Fähigkeiten in den Unterricht einbringen kann. "Die Schüler lassen sich begeistern", betont Schwed. "So bekomme ich auch sehr viel zurück." So bemüht sich auch die Kirchliche Pädagogische Hochschule (KPH) sowohl die intellektuelle als auch die emotionale Entwicklung der Persönlichkeit zu fördern. Die KPH bietet eine "solide fachwissenschaftliche und fachdidaktische Ausbildung", wie es in der Studienbeschreibung heißt, und steht für "ausdrückliche Sinn- und Wertorientierung entsprechend den Grundsätzen des christlichen Glaubens".

Katharina Ambichl wollte in ihrem Beruf "etwas sinnvolles machen". Nach einer Beschäftigung als Sekretärin im Landesdienst hat die 33-jährige im zweiten Bildungsweg die Pädagogische Akademie absolviert und ist Religionslehrerin geworden - "um kleine Samen zu säen". Die Menschen gingen heute immer weniger in die Kirche, erklärt Katharina Ambichl. Die Pfarrer wollten, dass die Jugend in die Kirche komme, die Eltern wollten das nicht. "Die Situation ist schwierig, aber ich mache es trotzdem gerne", betont Ambichl. "Es ist ein sehr schöner Beruf."

Die KPH bietet die wahlweise Kombination von Lehrämtern für Volksschulen, Hauptschulen und Polytechnischen Schulen sowie Sonderschulen. Möglich ist auch ein Lehramt Religion für Hauptschulen in Kombination mit den Fächern Deutsch, Englisch oder Mathematik. Ab kommenden Herbst besteht die Möglichkeit, zu einem Fach, das bereits unterrichtet wird, einen viersemestrigen Aufbaulehrgang für Religion im zweiten Fach zu absolvieren.
Die KPH wird von der Erzdiözese Wien gemeinsam mit der Diözese St. Pölten und der Evangelischen, der Orthodoxen und der Altkatholischen Kirche Österreichs geführt. Mit ihrer internationalen Ausrichtung ist sie nicht nur die größte Pädagogische Hochschule Österreichs, sondern wegen ihrer ökumenischen Zusammenarbeit auch eine europaweit einmalige Einrichtung.

"Ein Religionslehrer sollte Interesse an seinen Schülern haben", betont Raimund Triml. "Es geht nicht um die Selbstverwirklichung des Lehrers, sondern darum die Schüler zu begeistern und mitzureißen." Der 42-jährige ist Religionslehrer "aus Leidenschaft", denn "die Botschaft Jesu hat in 2000 Jahren nichts an Aktualität und Brisanz verloren". Der konkrete Unterricht teile sich in theoretische Wissensvermittlung und in einen lebenskundlichen Teil, wo er, Triml, seine eigenen Erfahrungen einbringe. Dabei gehe es um einen "dialogischen Prozess" mit den Schülern, bei dem auch "viel Nähe und viel Hinhören" gefragt sei, erklärt Triml. "Das wird nie langweilig, denn es geht um menschliche Begegnung."

Auch Veronica Maria Schwed sieht es als "etwas Spannendes", von den Schülern zu lernen. Neben der Gottesliebe sei deshalb die Menschenliebe wichtigste Voraussetzung für den Beruf der Religionslehrerin. Am Beginn des Schuljahres, wenn sich die Schüler entscheiden sollen zwischen Religion und der "Konkurrenz Freistunde", erkläre sie: "Ich will euch nicht bekehren, sondern ich möchte euch teilhaben lassen an dem, was ich lebe, und ich glaube, dass ich euch etwas mitgeben kann für euer Leben." In der Diözese St. Pölten nehmen im Durchschnitt aller Schultypen 96,6% der Schülerinnen und Schüler am Religionsunterricht teil, davon sogar 35% der Schülerinnen und Schüler ohne religiöses Bekenntnis.

Kirchliche Pädagogische Hochschule