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Radioansprache am Heiligabend (im Wortlaut)

Liebe Hörerinnen und Hörer! Vor einigen Jahren wurde ich in der vorweihnachtlichen Zeit eingeladen, die Segnung einer Bank vorzunehmen. Nach den unvermeidlichen Ansprachen und der schlichten Zeremonie begaben wir uns in einen Speisesaal, in dessen Vorraum bereits die Weihnachtskrippe aufgestellt war. Beim Vorbeigehen an dieser Krippe sagte zu mir einer der Vorstandsmitglieder der Bank: "Ich bin zwar nicht katholisch, nicht einmal getauft, aber ich verstehe, dass dieses Kind Hoffnung gibt. Wissen Sie, ich habe mich schon von Berufswegen immer darum bemüht, die Menschen zu Optimismus zu bewegen, aber das ist nicht dasselbe. Wenn jemand daran glaubt, dass dieses Kind der Mensch gewordene Gottes Sohn ist, ist das etwas ganz anderes." Er deutete an, dass er sich in letzter Zeit damit befasst habe und dass es ihm sehr wichtig und wertvoll geworden sei, das entdeckt zu haben.


Damit sind wir schon bei der zentralen Weihnachtsbotschaft. Im Weihnachtsevangelium verkünden die Engel den Hirten auf dem Feld: "Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll. Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; Es ist er Messias, der Herr." Ich halte es für sehr wichtig, inne zu halten und über die Weihnachtsbotschaft nachzudenken. Er ist Immanuell, das heißt übersetzt "Gott mit uns". Er, der gleiche Christus, der damals zur Welt kam, spricht uns persönlich an durch die Verkündigung der Kirche, er steht uns bei und hilft uns, wenn wir ihn suchen. In den Sakramenten der Kirche können wir ihn finden.


Manche haben Angst vor dem Weihnachtsfest. Sie fürchten das Alleinsein. Wer aber auf die Krippe schaut, auf dieses Kind und seine Mutter, wer darüber nachdenkt, was die Kirche ist, sein soll, entdeckt, dass er nicht allein ist.


Für das Zustandekommen einer wahren Weihnachtsfreude ist aber noch ein zweiter Schritt unerlässlich: wer Christus aufnimmt, wer ihn wirklich aufnimmt, wird verändert.


In Polen ist es üblich, für das Weihnachtsfest weiße Oblaten herzustellen und sie zB am Beginn des Mahles oder bei einer Weihnachtsfeier mit den anderen Teilnehmern zu teilen und dann gemeinsam zu verzehren. Man versucht damit zum Ausdruck zu bringen: wir sind mit einander versöhnt, wir sind gut miteinander. Eine Folge der Geburt Jesu, der Aufnahme Christi im eigenen Herzen, ist die Bereitschaft aufeinander zuzugehen, einander wenn nötig zu verzeihen.


Bei uns ist es üblich, sich zu beschenken. Leider steht dabei oft zu sehr das Materielle im Vordergrund. Eigentlich sollte es so sein, dass wir sein Gebot im Herzen tragen, einander so zu lieben, wie er die Seinen geliebt hat, und das führt dazu, dass wir das Bedürfnis haben, einander die Liebe zu zeigen.


Es hängt schon auch von uns ab, ob Weihnachtsfreude aufkommt. Persönlich liebe ich den Text, der angeblich aus Brasilien stammt. Es zeigt Spuren auf, die zur Weihnachtsfreude hinführen. Der Text lautet:
"Jedes Mal, wenn zwei Menschen einander verzeihen, ist Weihnachten.
Jedes Mal, wenn ihr Verständnis zeigt für eure Kinder, ist Weihnachten.
Jedes Mal, wenn ihr einem Menschen helft, ist Weihnachten.
Jedes Mal, wenn jemand beschließt, ehrlich zu leben, ist Weihnachten.
Jedes Mal, wenn ein Kind geboren wird, ist Weihnachten.
Jedes Mal, wenn du versuchst, deinem Leben einen neuen Sinn zu geben, ist Weihnachten.
Jedes Mal, wenn ihr einander anseht mit den Augen des Herzens, mit einem Lächeln auf den Lippen, ist Weihnachten".


So wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest, das Ihnen neuen Mut, neue Hoffnung vermittelt. Es soll ein gnadenreiches Fest sein, das heißt ein Fest, an dem wir einander Liebe zeigen.