Prophet hilft bei Burn-Out

"Jetzt habe ich genug!" So wie der Prophet Elija erleben auch Ordensleute Zeiten in der Wüste, erklärte Abt Clemens Lashofer und unterstrich die Bedeutung der Krise als notwendige Phase des Wachstums. Beim "Tag des geweihten Lebens für die Ordensgemeinschaften der Diözese St. Pölten" am Samstag, dem 3. Feber, im Stift Göttweig zeigte Gastgeber Abt Lashofer hilfreiche Parallelen zwischen den Wüstenerfahrungen des Propheten und heutigen Krisen wie Burn-Out auf: "Mitten in seiner Lebensmüdigkeit, in seinem Todeswunsch erfährt Elija die Gegenwart Gottes." Zwei Arten von Wüstenerlebnissen gebe es, führte Abt Lashofer aus: Die Wüste als Rückzug, Stille, Sammlung und Anbetung, auf der anderen Seite als Erfahrung von Flucht, Einsamkeit, Verzweiflung und Niederlage. So gelte es, "zeitliche und räumliche Oasen" zu sichern und als Orte der Gottesbegegnung zu nützen. In der Kargheit der Wüste gebe es kein "Gestrüpp", wie Ablenkungen und Geschäftigkeit, hinter dem man sich verstecken könnte. Abt Lashofer: "Die Wüste ist ein Ort des Hungers und des Durstes. Doch was als Mangel erscheint, wird Gewinn. Was als Ende erscheint wird zum Anfang."

Die Pädagogik Gottes

So wie Elija sich nach der Stärkung durch die Gaben des Engels trotzdem wieder niederlegte, so dürfen auch unsere Niederlagen vor Gott Raum haben, betonte Lashofer: "Vor Gott seine Niederlage und Verzweiflung zu beklagen stärkt, so dass man wieder aufstehen kann." Es gelte, die Pädagogik des Herrn zu erkennen: Wenn wir auch vor einem Haufen Scherben stehen, können wir sie Gott geben und sagen: "Mach es ganz! Aber ich stehe hier, vor dir." Und darauf komme es an, so Abt Lashofer.

Schließlich machte Abt von Göttweig den Ordengemeinschaften "Mut, junge Menschen auf die Nachfolge Christi anzusprechen". Viele Orden seien mit ihren Nachwuchssorgen in einer ähnlichen Situation wie Elija, der glaubte, "allein übrig geblieben" zu sein. Doch der Prophet erfuhr, dass "siebentausend übrig gelassen" waren, und so seien "in jeder Generation siebentausend übrig", wie Kardinal John Henry Newman einmal sagte. Es sei "sinnlos, die eigene Zeit nur totzureden oder krankzujammern", betonte Lashofer. Die "gute, alte Zeit" habe es nie gegeben. Wie der Konzilspapst Johannes XXIII. in einem berühmt gewordenen Ausspruch sagte, solle man nicht den Unglückspropheten folgen: "Seien sie ohne Sorge. Der Papst schläft gut."

Neuer "Brunnensaal" als Veranstaltungszentrum

Jedes Jahr um das Fest "Mariä Lichtmess" lädt Prälat Mag. Maximilian Fürnsinn, Propst des Stiftes Herzogenburg, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Ordenskonferenz zum "Tag des geweihten Lebens". Heuer fand die Begegnung im neu ausgebauten "Brunnensaal" des Stiftes Göttweig statt. Im Zuge der umfangreichen Renovierungsarbeiten wurde aus einem ungenutzten Magazin ein moderner Multimedia-Veranstaltungssaal. Den Namen hat der "Brunnensaal" von einem noch heute intaktem Brunnenschacht, der vom Saal 80 m tief in den Fels reicht und 16. Jahrhundert nach dem ersten Türkensturm für die sichere Wasserversorgung des Stiftes angelegt wurde.