Priesterlicher Dienst im Umbruch

Der priesterliche Dienst angesichts einer Pastoral im Umbruch ist der Inhalt der diesjährigen Priesterstudientagung vom 18. bis 20. Februar im Bildungshaus St. Hippolyt. Zum Thema werden der Würzburger Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand, der Mannheimer Jesuit P. Stefan Kriechle und der Rektor des bischöflichen Seminars in Graz, Dr. Wilhelm Krautwaschl sprechen. Einen Überblick über die Situation der Priester in den deutschsprachigen Ländern gab Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand in seinem Einstiegsreferat. In vielen Diözesen Deutschlands wurden strukturelle Neuordnungen durchgeführt oder seien in Gang. Die Mehrzahl der Diözesen hat neue Seelsorgseinheiten geschaffen, entweder mehrere Pfarren zusammengelegt oder die gewachsenen Strukturen belassen und andere Wege gesucht. Geprägt sind diese Änderungen vor allem durch personelle, aber auch finanzielle Engpässe. In nur einem Viertel der 12.800 Pfarren in den Diözesen Deutschlands sei ein Priester allein für eine Gemeinde zuständig. Der überwiegende Teil der Seelsorger habe mindestens eine weitere Pfarre mitzubetreuen. Von 1990 bis 2005 sei die Zahl der Priester um 4.000, das sind etwa 25 Prozent gesunken, merkte der Würzburger Generalvikar an. Hinzu komme noch die hohe Altersstruktur, die augenscheinlich macht, dass die bisherigen Pfarrstrukturen auf Dauer nicht mehr aufrecht zu halten sind.
Aufgabe der Seelsorge müsse es sein, die kirchliche Präsenz dort zu stärken, wo Menschen in einer immer differenzierter werdenden Gesellschaft leben. Diese Umbruchsituation erzeuge auch Unsicherheit und Ängste.

Hillenbrand warnte davor, die Lösung allein im organisatorisch-praktischen Bereich zu suchen. Vielmehr müsse eine theologisch-spirituelle Reform vorangehen. In den aktuellen Herausforderungen sieht er vier Spannungsfelder, und zwar zwischen der theologischen Begründung und der faktischen Amtsführung, zwischen dem priesterlichen Berufsbild und der gelebten Realität, zwischen dem kirchlichen Priesterbild und den pastoralen Erwartungen und schließlich zwischen den strukturellen Maßnahmen und der konkreten Verkündigung.
In dieser Situation, so Hillenbrand, müsse die Gemeinschaft der Priester untereinander gestärkt werden. Dafür sei eine kontinuierliche geistliche Begleitung, vor allem in den neuen Pfarrgemeinschaften notwendig. Die priesterliche Gemeinschaft entfremde nicht, sondern führe vielmehr zu den Menschen hin, betonte er.

"Kooperative Pastoral"
Für das Gelingen der Seelsorge sieht Hillenbrand eine kooperative Pastoral für unumgänglich. Sie ebne nicht das kirchliche Amt ein, sondern will es recht verstanden wissen. Allerdings bedürfe es einer Kultur des Umgangs miteinander, gegenseitiger Akzeptanz und einer deutlichen Festlegung der Aufgaben, unterstrich er. Die Kooperation mit den Laien gehöre zum priesterlichen Grundauftrag und so zum Wesen des Amtes selbst.
Als Konsequenz aus seinen Überlegungen meinte Hillenbrand, dass die Berufung umfassender zu verstehen sei. Innerhalb dieser Grundberufung gebe es spezielle Dienste. Auch das Priesterbild sei zu überprüfen, dass es sich nicht in einer Abgrenzung gegenüber Laien verstehe. Die Sicht der Laien sei ebenso zu revidieren. Einfaches Delegieren sei noch keine Kooperation, sagte er. Denn vom gemeinsamen Christsein her gebe es kein oben und unten, sondern nur verschiedene Aufgaben. Diese neue Pastoral müsse ebenso grenzüberschreitend sein, denn nicht alle Ansprüche einer Pfarre können künftig im bisherigen Ausmaß auch erfüllt werden. Ob diese Kooperation mit den Menschen gelingt, entscheide sich letztlich aber an der Wurzel, am persönlichen Leben des Seelsorgers, unterstrich Hillenbrand abschließend.